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Die Gabe | Rezension

3. März 2018,5 Comments

„Die Menschen erschaffen sich, was sie wirklich brauchen.“

Die Gabe

Naomi Alderman

Übersetzt von: Sabine Thiele

Verlag: Heyne Verlag

Seiten: 480 | Ausgabe: 2018

ISBN: 978-3-453-31911-0

Zu kaufen bei Amazon* oder im Buchladen nebenan :)

 

Die Autorin:

Naomi Alderman lebt in London und hat in Oxford und an der UEA studiert. Sie arbeitet für BBC Radio 4 und ist in Bath Professorin für Kreatives Schreiben. Für ihre Bücher wurde sie mehrfach ausgezeichnet, „Die Gabe“ (OT: The Power) bekam den Baileys Women’s Prize for Fiction.

Die Story:

Von einem Tag auf den anderen entdecken Frauen und Mädchen überall auf der Erde, dass sie die „Gabe“ in sich tragen: Durch bloße Berührung können sie anderen Menschen Schmerzen zufügen und sie sogar töten. Von einem Tag auf den anderen werden die Männer zum schwachen Geschlecht. Aber ist eine von Frauen beherrschte Welt auch eine bessere Welt?

Meine Meinung:

Was für ein umwerfendes, machtvolles, alles veränderndes Buch. Es gehört jetzt schon zu den prägensten und außergewöhnlichsten Romanen, die ich je gelesen habe.

Die Idee des Buches ist revolutionär und gleichzeitig ein Gedanke, den wohl viele Menschen – vor allem Frauen – schon einmal hatten. Was wäre, wenn Frauen plötzlich das starke Geschlecht wären? Wäre wirklich alles besser? Wie würden wir mit dem Thema der Rache umgehen und was würden wir anders machen? Was würde sich alles verändern? Würde es wirklich Gerechtigkeit geben und wie wird das eigentlich definiert? Und von wem?
Das Buch geht diesen Fragen nach, ohne eine Utopie zu erschaffen. Es ist ehrlich und brutal, erforscht aber – das sollte man beim Lesen im Hinterkopf behalten – nur eine mögliche Option der Ereignisse. Eine realistische Option, aber nicht die einzige. So möchte ich z.B. anmerken, dass es zum aktuellen Zeitpunkt bereits Matriachate auf der Welt gibt, die mit dem im Buch beschriebenen Gesellschaftskonstrukt wenig gemein haben und dass sie zB die asiatischen, südamerikanischen und afrikanischen Kulturen sowie indigenen Völker fast komplett übergangen hat (genauso wie Trans- und Intersexualität) – es gibt zwar Vielfalt in dem Buch, aber in Wahrheit wäre solch ein Wandel noch viel komplexer als es ein einzelner Roman einfangen könnte. Dies ist allerdings keine richtige Kritik am Buch, sondern eher eine Anmerkung für alle Leser. Denn ich bin absolut verliebt in die Umsetzung von Aldermans Geschichte.
Ich mochte die Charaktere, ich mochte den Plot, ich mochte die verschiedenen Perspektiven, den Schreibstil, die Spannung, den Versuch etwas so Komplexes ungeschönt und in einem kurzweiligen Spannungsroman darzustellen. Ich mochte, wie sie dem Leser viel Raum zur Interpretation gelassen und einen gleichzeitig an die Hand genommen hat. Die „archäologischen Fundstücke“, die man zwischen den Kapiteln findet, und die Darstellung der Macht des Internets und von Social Media. Ich mochte den bitteren Sarkasmus am Ende und die Balance zwischen düsteren, beängstigenden Konsequenzen und dem mächtigen Gefühl, alles schaffen zu können. Ich mochte, dass sie sowohl gegen die geschlechterspezifische Unterdrückung aufsteht, als auch erkannt hat, dass das Problem vor allem in Machtstrukturen und der menschlichen Psyche liegt.

Wer denkt, dieses Buch sei nur für Frauen und Menschen mit Interesse an alternativen Zukunftsvisionen, liegt völlig daneben. Dieses Buch kann so viele Menschen auf so viele Art und Weisen bereichern. Es kann auf mehr als einer Ebene den Horizont erweitern und Denkanstöße geben. Es wird Männer, Frauen und eigentlich alle einfach bereichern. Noch dazu ist es einfach ein fantastisches, spannendes, beängstigendes und hoffnungsvolles Buch mit einer Prise Zynismus und verdammt viel Raffinesse und Fingerspitzengefühl. Ich kann es aus tiefstem Herzen empfehlen.

Aufrüttelnd, brutal, umwerfend – eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe

lesehase

Dieses Buch bekommt aufgrund seiner Weitsicht den Lesehasen verliehen

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Anmerkung: Dieses Buch war ein Rezensionsexemplar des Heyne Verlags – vielen, vielen Dank! :)

5 Stars

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5 Kommentare

  • Antworten -Leselust Bücherblog- 5. März 2018 um 17:27

    Liebe Tasmin,
    Vielen Dank für die schöne Rezension. Das Buch klingt wirklich sehr interessant. Und man kann durch deine Worte spüren, wie sehr es dich begeistert hat, aber trotzdem hast du es sehr differenziert betrachtet. Damit hast du mich nur umso neugieriger gemacht. Hoffentlich komme ich bald dazu, die Geschichte selbst zu lesen.
    Liebe Grüße, Julia

    • Antworten Tasmetu 5. März 2018 um 21:51

      Liebe Julia,

      freut mich, dass dir die Rezension gefallen hat und dich neugierig gemacht hat. :) Ich hoffe, das Buch wird dir so gut gefallen wir mir.

  • Antworten Rezension: "Die Gabe" - Naomi Alderman | Tales and Memories 16. Juli 2018 um 13:09

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  • Antworten Alderman, Naomi: Die Gabe | RikeRandom 25. August 2018 um 11:43

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