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Wenn der Mond am Himmel steht, denk ich an dich | Rezension

23. September 2017,1 Comment
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„Wenn es der Revolution schadet, dass zwei Mädchen sich lieben, kann sie nicht viel wert sein. Es wäre Zeit für eine neue Revolution!“

Wenn der Mond am Himmel steht, denk ich an dich

Deborah Ellis

Übersetzt von: Edith Beleites

Verlag: cbj

Seiten: 256 | Ausgabe: 2017

ISBN: 9783570403563

Zu kaufen bei Amazon* oder im Buchladen nebenan :)

Die Autorin:

Deborah Ellis arbeitet in Kanada als Psychotherapeutin  und betreut dort v.a. Frauen aus Afghanistan. Im Rahmen ihrer Hilfsorganisation verbrachte sie auch viele Monate in Pakistan und Russland in Lagern für geflüchtete Menschen. Seitdem ist sie auch Schriftstellerin. „Wenn der Mond…“ ist ihr viertes veröffentlichtes Buch.

Die Story:

Die 15-jährige Farrin hat eine Menge Geheimnisse. Unter anderem, dass ihre Mutter auch nach der islamischen Revolution noch eine glühende Schah-Anhängerin ist, und so ist es besser, möglichst nicht aufzufallen. Aber dann begegnet sie Sadira und mit dieser Freundschaft ändert sich alles. Als aus ihrer Freundschaft mehr wird, wissen beide, dass sie einen gefährlichen Weg einschlagen, denn Homosexualität steht im Iran unter Todesstrafe…

(kopiert von cbj)

Meine Meinung:

Ich habe dieses Buch in einem Rutsch durchgelesen – denn ich konnte einfach nicht aufhören. Es hat einen flüssigen Schreibstil, es hat den Großteil der Geschichte eine lockere, angenehme Stimmung und ist noch dazu nicht gerade dick. Perfekt für zwischendurch und perfekt, um zu zeigen, dass auch in einem Buch mit wenig Wörtern eine große Aussagekraft stecken kann.
Die Geschichte von Farrin und Sadira basiert auf einer wahren Geschichte. Und genau das macht das Buch so aufreibend. Denn diese beiden jungen Mädchen lieben sich und dürfen nicht zusammen sein. Die Politik ihres Landes entzweit sie. Zunächst durch Vorurteile, dann durch das Gesetz.
Wäre die Politik nicht, wäre dies einfach nur eine bezaubernde Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Frauen aus ganz unterschiedlichen Familien, die gerne zusammen in die Moschee gehen und stolz auf ihre schulischen Leistungen sind. Doch Homosexualität ist im Iran, wie auch in vielen anderen Ländern (die Anmerkung der Autorin am Schluss sollten unbedingt gelesen werden!), verboten. Auf die Auslebung der Liebe steht die Todesstrafe, denn es wird als Unzucht betrachtet.
Wenn man das liest, kann man es gar nicht so wirklich glauben, dass dies jetzt gerade passiert. Das Buch spielt zwar ciiirca 1980, aber in vielen Ländern werden jeden Tag Menschen dafür getötet, dass sie ihrem Herzen folgen.
Das Buch ist aufrüttelnd und ein sehr wichtiges, sehr berührendes Buch. Das letzte Drittel ist zwar sehr heftig, aber Ellis romantisiert diesen Terror, der Liebenden dort passiert, nicht. Und das finde ich sehr gut.
Leider fand ich den Erzählstil nicht ganz gelungen. Ellis lässt immer mal wieder größere Zeitspannen aus, so dass es sich nach einer Insta-Lovestory anfühlt, obwohl es keine ist. Außerdem ging sie mir an manchen Stellen nicht tief genug, weshalb ich selbst nur einen geringen emotionalen Bezug zu Sadira und Farrin herstellen konnte, was ich sehr schade fand. An dem inneren Konflikt, den Homosexuelle bei der Entdeckung ihrer Liebe oft haben, wird wenn überhaupt nur oberflächlich gekratzt, genau wie an den Emotionen, die die Mädchen haben mussten, als ihre Eltern sich von ihnen abwenden. Generell fand ich die Beziehung zu den Eltern (und auch zu Palog und Frau Kobra) etwas sonderbar, in Farrins Fall fast schon grotesk. Es wirkte alles ein wenig überspitzt. Außerdem fragte ich mich immer wieder, ob Farrin und Sadira vorher schon einmal gespürt hatten, dass sie sich für Frauen interessierten. In dieser Geschichte fehlt irgendwie das komplette „davor“ und auch das „danach“.
Natürlich bin ich nicht in der Position, das Buch wirklich gut zu beurteilen zu können. Vielleicht ist es nur meine gesellschaftliche Prägung, die mich so etwas vermissen lässt oder die mich an der Beziehung zu den Eltern zweifeln lässt.
Außerdem weiß ich nicht genau, in wie weit sich das Ende der Geschichte auf LGBTIQ+ Leser auswirkt. Ich persönlich finde es wichtig, dass Ellis hier bei der Wahrheit bleibt und es nicht romantisiert oder schönredet, was in solchen Ländern passiert. Bei der Findung der eigenen Sexualität hilft das Buch aber vielleicht nicht unbedingt. Allerdings bin ich auch hier nicht in der Position, das gut zu beurteilen.
Alles in allem kann ich es aber nur empfehlen, es war definitiv eine wunderbare Bereicherung.

Großartiges Jugendbuch, dass alle Aufmerksamkeit der Welt verdient

Anmerkung: Dieses Buch war ein Rezensionsexemplar des cbj Verlags – vielen, vielen Dank! :)

4 Stars

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1 Kommentar

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