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The Hate U Give | Rezension

25. Juli 2017,4 Comments
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„Ein ohrenbetäubter Schrei dringt aus meiner Kehle, explodiert in meinem Mund und nutzt jeden Zentimeter meines Körpers für seine Resonanz.“ 

The Hate U Give

Angie Thomas

Übersetzt von: Henriette Zeltner

Verlag: cbj

Seiten: 512 | Ausgabe: 2017

ISBN: 978-3-570-16482-2

Zu kaufen bei Amazon* oder im Buchladen nebenan :)

Die Autorin:

Angie Thomas wuchs in Jackson, Mississippi (USA) auf. Sie studierte Kreatives Schreiben an der Belhaven Universität und rappte in ihrer Jugend. „The Hate U Give (THUG)“ ist ihr Debüt und landete sofort auf Platz 1 der New York Times Bestsellerliste.

Die Story:

Die 16-jährige Starr lebt in zwei Welten: in dem verarmten Viertel, in dem sie wohnt, und in der Privatschule, an der sie fast die einzige Schwarze ist. Als Starrs bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, rückt sie ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Khalil war unbewaffnet. Bald wird landesweit über seinen Tod berichtet; viele stempeln Khalil als Gangmitglied ab, andere gehen in seinem Namen auf die Straße. Die Polizei und ein Drogenboss setzen Starr und ihre Familie unter Druck. Was geschah an jenem Abend wirklich? Die Einzige, die das beantworten kann, ist Starr. Doch ihre Antwort würde ihr Leben in Gefahr bringen… (kopiert von der Random House Website)

Meine Meinung:

THUG ist ein Buch, dass so sehr gehypted wurde und gehypted wird, dass ich bereits vorab ein wenig skeptisch war. Beinahe erwartete ich, dass es mich enttäuschen würde. All dieses Lob, all diese positiven Preisungen für ein Jugendbuch? Soooooo gut kann es doch gar nicht sein, dass es wirklich JEDER liebt. Sowas gibt es nicht.
Doch. Gibt es. Innerhalb von nur wenigen Seiten hatte mich das Buch vollkommen in sich hineingezogen und ich wollte und konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Angie Thomas hat eine Art zu schreiben, die einen sofort mitten in die Geschichte befördert. Ich war mit ihr in der Williamson, ich war mit ihr in Garden Heights, ich habe die Schüsse gehört, ich habe ihren Schmerz gespürt, ich war wütend wegen dieser verdammten Ungerechtigkeit. Und bin es noch. Weil sie leider nur zu real ist.
THUG ist fikitv. Aber es greift viele Elemente aus dem realen Leben auf. Die ärmeren Viertel, die von Drogen zerfressen sind. Die Zerrissenheit von Menschen, die zwischen 2 Gesellschaftsformen stehen. Die Polizeigewalt, unfassbare Ungerechtigkeit und der „verdeckte“ Rassismus in den USA. Wer jetzt denkt: „Na zum Glück kann das bei uns ja nicht passieren, das Buch betrifft mich also gar nicht“, liegt falsch. Auch in Deutschland und Europa gibt es Rassismus – vielleicht nicht im Sinne von Polizisten, die Schwarze erschießen und dafür nicht bestraft werden, aber im Sinne von brennenden Flüchtlingsunterkünften, allem was die AfD sagt und von ihren Anhängern wiederholt wird, und in kleinen Alltagshandlungen und Ungerechtigkeiten. Das Thema des Buches ist auch für uns relevant. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint.
Auf der reinen Unterhaltungsebene war THUG ebenfalls große Klasse. Schon sehr lange hat mich kein Jugendbuch mehr so begeistert. Die Charaktere waren authentisch und gut geschrieben, der Plot war düster aber mit wunderbarem Humor gewürzt und Thomas schreckt nicht davor zurück, die hässliche und schmerzhafte Wahrheit zu beschreiben, schafft es dabei aber trotzdem, die Geschichte locker zu erzählen. Es regt zum Nachdenken an, belastet einen aber nicht. Es beschäftigt einen nur und gibt einem ganz neue Perspektiven mit auf den Weg. Denn wer denkt, in diesem Buch gehe es nur um die arme Starr, die alles richtig macht und die bösen weißen Cops, die alles falsch machen, wird eines besseren belehrt werden. THUG ist vielschichtig und zeigt, dass jeder Fehler macht und dass das okay ist, solange man bereit ist, dazuzulernen und es in Zukunft besser zu machen. Ihre Charaktere sind menschlich und ihre Geschichte ist wahrhaftig.
Die Übersetzung ist sehr gelungen und in meinen – nicht repräsentativen – Augen sehr feinfühlig. Allerdings werde ich das Buch dennoch ein zweites Mal auf Englisch lesen, denn ich glaube, dass Angie Thomas Stimme dann noch klarer und eindringlicher ist, als ohnehin schon.
Mehr will ich gar nicht sagen, denn man sollte in das Buch eintauchen, ohne zu viel zu wissen. Denn dann werdet ihr vielleicht genauso positiv überrascht werden wie ich.

Noch nie war ein Hype so gerechtfertigt!

Anmerkung: Dieses Buch war KEIN Rezensionsexemplar, aber ich habe es dennoch kostenlos vom cbt Verlag bekommen. Danke! :)

Nächstes Buch: Verbannt – Erika Johansen

5 Stars

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4 Kommentare

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