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Film Review: Wonder Woman

20. Juni 2017,7 Comments
WW3

Ich hatte absolut keine Ahnung von diesem Film. Alles was ich wusste war, dass ihn alle großartig fanden und es um eine weibliche Superheldin geht. Also ging ich spontan mit meinem Freund ins Kino – und habe jetzt ein bisschen was dazu zu sagen. 

Erster Eindruck

Der erste Eindruck des Films war eindeutig: Wow. Wow, wie unglaublich lang er war. Wow, wie sehr er mit historischen Tatsachen spielt. Wow, wie viel Frauenpower in diesem Film steckt. Und wow, wie glattrasiert ihre Beine sind.
„Wonder Woman“ hat mich zutiefst beeindruckt. Vornehmlich im positiven Sinne. Er war episch, humorvoll, mit großartigen Visual Effects, tollen Schauspielern und vor allem jeder Menge Frauenpower. Aber es gab auch Dinge, die ich nicht so gut fand.

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Kritik

Wer sich auf Social Media umhört, wird hauptsächlich Lobpreisungen zu diesem Film hören. Diesen stimme ich im Großen und Ganzen zu, leider muss ich aber doch ein wenig Spielverderber sein. Ich will gar nichts dagegen sagen, dass Wonder Woman quasi nichts trägt, das Outfit ist nunmal ihrem Comicvorbild nachempfunden. Aber diese… Perfektion störte mich ein wenig. An Dianas Körper wächst kein Haar an einer falschen Stelle, ihre Frisur ist immer perfekt (und sie kämpft natürlich mit offenen Haaren, was eindeutig praktischer ist als ein Dutt?), manche Szenen muteten für mich wie eine Shampoo oder Rasiererwerbung an. Ja, sie macht auch mal Fehler, aber die bestehen darin, dass sie nicht weiß, wie sie mit einem Schwert durch eine Drehtür geht. Ansonsten ist sie rundum perfekt. Was schön war, aber eben auch nicht gerade gut zum Identifizieren. Ich wünschte, sie hätte zumindest mal einen Kratzer davor getragen oder wäre nach den Kämpfen mit Schweiß, Schlamm oder Staub bedeckt gewesen. Oder Blut von mir aus. Aber sie war immer wunderschön und ohne jeden Makel.
Auch die Lovestory hätte absolut nicht sein müssen. Ich persönlich hätte mich gefreut, wenn sie nicht Instalove mäßig die Liebe ihres Lebens findet und das plötzlich der gesamte Sinn ihres Dasein wäre. Obwohl ich die beiden als Paar sehr gerne mochte, habe ich doch stellenweise arg die Augen verdreht.
Der letzte Kritikpunkt ist ein recht diffuser. Denn der Film konnte sich nicht so ganz entscheiden zwischen epischen, fantastischen und mythischen Elementen, krasser Superhelden-Action und historischer Aufarbeitung des ersten Weltkriegs. In meinen Augen war die Balance zwischen diesen Elementen nicht wirklich gegeben und ließ mich ab und an mit einem Stirnrunzeln zurück.

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Warum dieser Film so wichtig ist

Nichtsdestotrotz ist es wohl einer der wichtigsten und großartigsten Filme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Warum?

  • Wonder Woman ist der erste richtig epische Superheldinnen-Film. Diana rettet die verdammte Welt und das nicht, weil sie einem mächtigen Typen hilft, sondern weil sie mächtig und stark ist. Und sich nicht scheut, Waffen zu benutzten und richtig zu kämpfen. Es ist hoffentlich der Auftakt für noch viel, viel mehr solcher Filme.
  • Die Vorbildfunktion ist enorm. Jungen können, vor allem als Kinder, aber auch später, immer männlichen Superhelden nacheifern. Mädchen konnten dies bisher nicht in gleichem Maße tun. Nun ist der erste Schritt dazu gemacht, eine ganze Generation Superheldinnen großzuziehen.
  • Diana ist unglaublich intelligent. Und weiß, was sie will. Sie ist sehr direkt und kämpft für das, was ihr wichtig ist. Außerdem spricht sie unendlich viele Sprachen und verblüfft damit all die mächtigen Männer der damaligen Zeit. Sie macht sie nicht nur mit ihrem Aussehen sprachlos, sondern auch mit ihrer Intelligenz, ihrem Können und ihrem Mut.
  • Die Nebencharaktere! Halleluja! Sei es nun Etta, Steves Sekretärin, die es faustdick hinter den Ohren hat oder Antiope, die starke Kriegerin oder Hippolyta, die Königin der Amazonen und Mutter von Diana. Sie alle zeigen uns, wie viel Macht wir Frauen haben und wie stark wir sein können.
  • Auch die Antagonistin ist eine Frau. Zwar ist der „Endgegner“ männlich, doch eine der fiesesten und bösesten Personen des ganzen Film ist die Chemikerin Dr Poison. Auch sie ist intelligent und begabt und willensstark – und unfassbar sadistisch.
  • Diversity. Auch wenn der „weiße“ Anteil des Film fast schon enttäuschend hoch ist, habe ich die Diversität doch gesehen und gefeiert. Unter den Amazonen finden wir jede Hautfarbe vertreten, auch in Machtpositionen. Und ansonsten finden wir im Filme viele sehr unterschiedliche Charaktere. Charlie, einen vom Krieg traumatisierten Scharfschützen. Sameer, dessen Herkunft ich leider nicht genau weiß, aber ihn in den arabischen Gebieten einordne, und der eigentlich Schauspieler sein wollte, aufgrund seiner Hautfarbe aber nicht darf. Oder „The Chief“, ein ehemaliger Indianer, der es schafft mit den Briten befreundet zu sein, obwohl diese ihm alles genommen haben, was wunderbar die „Die Guten in diesem Film sind eigentlich gar nicht so gut“-Thematik aufgreift.
  • Selbstbewusstsein. Neulich schrieb jemand auf Twitter (ich weiß leider nicht mehr wer) etwas wie: „Kein Wunder, dass Männer immer so selbstbewusst sind. Ich habe nur einen Superheldinnenfilm gesehen und könnte jetzt Bäume ausreißen.“ Und das ist so wahr – diese unglaubliche Frauenpower verleiht uns das Selbstbewusstsein, an unsere eigene Stärke zu glauben. Auch Frauen können die Welt retten – und zwar mit Schwert, Fäusten und Intelligenz.
  • Frieden. Das eigentlich schönste an dem Film war aber die Grundaussage: Krieg ist schlecht. Frieden ist das Ziel. Wenn man nicht kämpfen muss, sollte man nicht kämpfen. Und wenn man es doch muss, sollte man sich so lange für die Unschuldigen einsetzen und gegen das Böse arbeiten, bis wieder Frieden herrscht. Denn Frieden ist so viel besser als ein simpler Sieg.

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Fazit

Wonder Woman ist noch lange kein perfekter Film. Es gibt Kritikpunkte, die man nicht missachten sollte (nicht nur die von mir aufgeführten). Aber es ist ein grandioser, filmisch epischer Anfang. Der Anfang von hoffentlich noch viel viel mehr Superheldinnen-Filmen. Und es ist ein Film voller Frauenpower, den sich alle Frauen da draußen einmal ansehen sollten. Selbst wenn Superhelden nicht so euer Ding sind – mein Ding ist es nämlich auch nicht – kann ich euch diesen Film nur von Herzen empfehlen.

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7 Kommentare

  • Antworten DJH 22. Juni 2017 um 0:11

    Ich hab den Film vor ein paar Tagen auch gesehen und war sehr positiv überrascht (insbesondere, weil die bisherigen DC Verfilmungen aus meiner Sicht nicht gerade der Burner waren). Dein Review passt auch zu meinem Eindruck, wobei bei Superheldenfilmen die Protagonisten ohnehin oft „über allem erhaben“ dargestellt werden, ob über Verletzungen oder Körperbehaarung, da sind meine Erwartungen natürlich niedrig angesetzt, aber es würde die Charaktere manchmal etwas menschlicher machen. (Wobei es Diana natürlich auch von der Abstammung her vergönnt sein könnte, sich keine Gedanken um Kratzer, Schlamm oder Körperbehaarung machen zu müssen.)
    Was ich zu deiner Wichtig-Liste aber unbedingt noch ergänzen möchte: Ich war besonders davon angetan, dass es eben kein „Emanzen-Film“ ist, wie einige böse Stimmen gemutmaßt hatten. Diana kämpft nicht gegen die Gesellschaft, gegen eine Rangordnung – sie geht einfach ihrer eigenen Bestimmung nach und lässt sich auch nicht Fremdbestimmen (und überzeugt genau dadurch). Das ist für sie das höchste Ziel, und sie kümmert sich nicht weiter darum, ob der Gesellschaft das passt oder nicht. Der Film stellt wunderbar auch ihre Verwirrung (anstatt Empörung) über die patriarchale Ordnung dar – für sie sind Menschen ganz natürlich gleichwertig, unabhängig vom Geschlecht (und auch der Herkunft), und das obwohl sie in einer reinen Frauengesellschaft aufgewachsen ist. Anstatt also direkt Bezug auf das Verhältnis Mann-Frau zu nehmen, ermuntert Wonder Woman zu mehr Individualität, und zwar in Hinblick auf alle Protagonistinnen und auch Protagonisten. Es ist kein schwarz-weiß gezeichneter Kampf gegen eine Klasse, eine pauschalisierte anonyme Gruppe („die Männer“, „die Bösen“, „die Anderen“), sondern primär ein bunter Kampf gegen den eigenen Konformismus (den übrigens alle Freunde Dianas, die „kleinen Helden“, im Film in ihrer eigenen „Farbe“ führen), um damit seinen ganz individuellen Lebenssinn zu finden. Und ich finde, das gibt dem Film eine Ebene, aus der man(n) auch für sich selbst noch was mitnehmen kann.

  • Antworten Kate 2. Juli 2017 um 15:37

    Hallöchen,
    ich hab den Film auch schon gesehen und fand ihn ebenfalls super! Jetzt, wo ich deine Kritikpunkte lese, kann ich sie auch tatsächlich etwas nachvollziehen. Beim Schauen selbst, sind sie mir aber gar nicht so aufgefallen. Dass Diana so perfekt wirkt, zum Beispiel. An sich tun das ja sowieso alle Frauen in Hollywood-Filmen, die Superheldinnen natürlich erst recht. Deshalb habe ich mir da nicht wirklich Gedanken drüber gemacht. Dass sie ohne Schrammen auskommt, ist dadurch, dass sie eine Halbgöttin ist, aber ganz logisch, finde ich.
    Zur knappen Kleidung möchte ich auch etwas sagen. Die ist nämlich wirklich sehr knapp. Aber mir ist aufgefallen, dass sie immer so gut sitzt, dass meiner Meinung nach nie zu viel gezeigt wird oder es zu sexy oder irgendetwas wirkt.
    Was die Liebesgeschichte betrifft … ich habe sein Opfer nicht nachvollziehen können. Das war vollkommen sinnlos, weil man es auch anders hätte lösen können. Das war so ein Möchtegern-dramatischer Effekt. Da hab ich tatsächlich auch die Augen verdreht. Den Rest fand ich ganz gut, weil es nicht so übertrieben hollywood-kitschig war.

    Ich finde Diana auch toll dargestellt. Sie ist zwar in manchen Dingen etwas naiv, weil sie vieles nicht kennt, aber sie hat eine starke Persönlichkeit. Ihre Intelligenz und wie sie die mächtigen Männer ausgeboten hat, das fand ich einfach klasse!
    Die Sekretärin war super! Sie hatte ein bisschen was von Diana. Und das ohne das Selbstbewusstsein einer Prinzessin. Sie ist meiner Meinung nach auch eine kleine Heldin.
    Das Gefühl, Bäume ausreißen zu können, hatte ich nach dem Film auch. Das wird mir jetzt erst so richtig bewusst.

    Danke für deine etwas kritische Sichtweise, das hat mich noch ein bisschen mehr zum Nachdenken gebracht. Ich finde den Film nach wie vor gigantisch und kann über diese kleinen Kritikpunkte sehr gut hinwegsehen. Das Highlight war für mich ja die tolle Filmmusik.

    Liebste Grüße, Kate

    • Antworten Tasmetu 4. Juli 2017 um 11:15

      Liebe Kate,

      ich fand den Film im großen und ganzen auch großartig, aber ich konnte nicht umhin das anzumerken :D
      Das mit den Schrammen finde ich zB gar nicht logisch, da sie am Anfang des Films, als sie noch auf der Insel lebt, verwundet wird. Das heilt zwar sehr schnell wieder, aber sie kann verletzt werden. :)
      Das mit dem Outfit finde ich so lala. Man sieht deutlich weniger Haut als in alten Darstellungen von Wonder Woman, deshalb war es schon ein Schritt nach vorne. Aber ich hätte mich gefreut wenn sie eine Hose hätte tragen dürfen :D
      Und deinem Lob kann ich ansonsten nur zustimmen <3

  • Antworten Julia 2. Juli 2017 um 16:29

    Liebe Tasmin
    Ein toller Beitrag! Manche Kritikpunkte hatte ich so noch gar nicht auf dem Schirm, sind aber durchaus berechtigt.
    Der Film ist auf jeden Fall sehr wichtig und ich habe mich riesig gefreut, dass bei meinem Kinobesuch so viele Mädchen anwesend waren und völlig begeistert waren. Ich hoffe sehr, dass es nun mehr solche Superheldinnenfilme geben wird, ich würde es mir sehr wünschen.
    Liebe Grüsse
    Julia

    • Antworten Tasmetu 4. Juli 2017 um 10:32

      Liebe Julia,

      danke dir. Ich fand deine Kritik auch durchaus interessant – vor allem weil wir uns eben nicht wirklich überschneiden :D
      Das hoffe ich auch :)
      Tasmin

  • Antworten Sonntagsgeplauder #28Ein lang ersehntes Buch und Genuss Scout | Kates Bücherregal 23. Juli 2017 um 10:17

    […] gibt es eine Review zu Wonder Woman. Mich hat das dazu gebracht, das ganze mal aus einer anderen Sicht zu sehen. Den Film finde ich […]

  • Antworten Stephie 24. Juli 2017 um 12:54

    Das meiste, was du geschrieben hast, kann ich nur so unterschreiben. Ich habe schon lange auf einen Superheldinnen-Film gewartet und hatte immer gehofft, dass Marvel endlich mal Black Widow einen eigenen Film widmet, das ist schließlich so eine interessante Frau. Aber gut, nun war es eben DC und Wonder Woman konnten sie mich zum ersten Mal richtig begeistern! (Bei Filmen, die DC Serien sind größtenteils super.)

    Deine Kritik kann ich gut verstehen, wobei mich das mit dem makellosen Äußeren nicht gestört hat, das ist halt Wonder Woman. Ich hätte es nur besser gefunden, wenn sie beim Kämpfen nicht immer offene Haare gehabt hätte (Was ist gegen diesen wunderschönen, geflochtenen Zopf vom Anfang einzuwenden?) und ihr Outfit hätte ruhig ein wenig mehr Stoff/Material haben können. Ja, es ist dem Original nachempfunden, und ja, Beinfreiheit ist ein Muss, aber es hätte doch ein winziges bisschen weniger freizügig sein können, für meinen Geschmack.

    Die Liebesgeschichte hat mich auch gar nicht gestört, im Gegenteil. Ich habe sie aber auch nicht als InstaLove empfunden und auch nicht als die Liebe ihres Lebens, nur eben als ihre erste und die ist immer etwas Besonderes.

    Nach diesem tollen Auftakt kann ich die weiteren Wonder Woman Filme jedenfalls kaum noch erwarten und sie ist der Hauptgrund dafür, dass ich mir vermutlich auch diesen Justice League Film ansehen werde. Sie strahlt einfach, wie du selbst sagtest, Frauenpower aus!

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