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Couchsurfing in Russland | Rezension

11. April 2017,3 Comments
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„Russland umfasst so viele Mikrokosmen und Mikrokulturen, dass man sich wie auf einer Weltreise fühlen kann, ohne das Land zu verlassen.“

Couchsurfing in Russland

Wie ich fast zum Putin-Versteher wurde

Stephan Orth

Verlag: Malik, Piper Verlag

Seiten: 256 | Ausgabe: 2017

ISBN: 978-3-89029-475-9

Zu kaufen bei Amazon* oder im Buchladen nebenan :)

 

Der Autor: 

Stephan Orth wurde 1979 geboren und arbeitete lange für Spiegel Online, Zeit.de und machte sich vor einigen Jahren selbstständig. Seitdem ist er freier Journalist und Autor. Und natürlich Couchsurfer.

Die Story:

Stephan Orth ist seit Jahren begeisterter Couchsurfer. Nach seinen Erfahrungen im Iran, die er in „Couchsurfing im Iran“ bereits geteilt hat, hat er nun einen 10wöchigen Trip nach Russland unternommen um dieses, von westlichen Medien so kritisch dargestellte, vielfältige Land und vor allem seine Bewohner besser kennen zu lernen. Er reiste einmal quer durch das Land, lernte Wahrheiten fürs Leben und erlebte einige unerwartete Überraschungen.

Meine Meinung:

Es ist ziemlich genau zwei Jahre her, dass ich „Couchsurfing im Iran“ gelesen und geliebt habe. Deshalb waren meine Erwartungen an Stephan Orths zweites Couchsurfing Buch besonders hoch. Und obwohl ich es nicht für möglich gehalten habe, hat er diese Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen.
Russland. Ein riesiges Land, von dem wir ziemlich wenig wissen. Wir kennen DashCam Videos, Fotos vom ‚coolen‘ Putin, über die wir lachen, wir kennen die Sprache. Und sonst? Bei fast allen dürfte das Russland-Bild stark von den Medien geprägt sein. Viele schlechte Nachrichten, fast alles dreht sich um Politik. Das diese nicht immer richtig läuft (z.B. wenn es um LGBTQ+ Fragen geht), ist wohl nicht von der Hand zu weisen. Stephan Orth macht es sich jedoch mit seinen Couchsurfing Projekten immer zur Aufgabe, hinter die Fassade zu blicken. Er verleugnet dabei nicht die Probleme des Landes, seien sie nun politisch oder anderweitig, aber er rückt die Menschen in den Vordergrund. Und zeichnet so ein ganz neues, sehr buntes, nicht immer fehlerfreies, aber doch wundervolles Bild dieses Landes.
Sein Schreibstil zeugt von seiner Erfahrung als Journalist und seinem puren Können, die perfekte Balance zwischen Humor, Sarkasmus, detaillierter Recherchearbeit und den ernsten Themen des Lebens zu schaffen. Er spart die schlechte Momente nicht aus, das Buch verliert aber nie seine Leichtigkeit. Man versinkt im Reiseflair dieser Seiten und lernt dabei trotzdem unglaublich viel dazu. Ich wusste zum Beispiel herzlich wenig über die verschiedenen Regionen und Religionen und Kulturen, die innerhalb Russlands vereint sind. Ich wusste nicht, dass in Russland die größte Buddhastatue Europas steht und auch nicht, dass viele Gebiete komplett eigenständige (aber trotzdem abhängige) ethnische Gruppen sind. Ich wusste nicht, dass in Russland oft nur Slawen als „Russen“ bezeichnet werden und ich wusste auch nicht, dass es dort eine Diamantenmiene gibt, deren Fotos mich bereits unruhig werden lassen. Ich wusste nicht, warum Russen so wenig lachen und auch nicht, wie viel Deutsche und Russen eigentlich gemeinsam haben. Im Endeffekt wusste ich sehr wenig, das wurde mir beim Lesen immer wieder bewusst. Orth schafft es aber, dass man sich dafür nicht schämt, sondern nur seine Wissenslücken füllen möchte. Denn Russland ist ein unglaublich spannendes und vielfältiges Land, das aus weit mehr besteht als aus Putin, Bären und Schnee.
Auf seiner Reise gibt er uns Einblicke in das Alltagsleben der Menschen. Er beschreibt sie mit so viel Fingerspitzengefühl und Ehrlichkeit, dass man sie einfach lieben muss. Zudem ist das Buch dank kurzer Kapitel, Infokästchen und Fotos sehr kurzweilig. Man möchte immer weiter lesen und ist dann am Ende enttäuscht, wenn man plötzlich schon am Ende angekommen ist. Danach bleiben einem nur zwei Möglichkeiten: Entweder Stephan Orth zu bitten noch unzählige weitere Bücher zu schreiben, oder selbst nach Russland zu reisen und die Menschen dort kennen und lieben zu lernen.
Diese wenigen Seiten haben mir Augen und Herz für ein Land geöffnet, von dem ich nichts wusste und in dem es unglaublich viel zu entdecken gibt. Trotz seiner Probleme. Diese spricht Orth übrigens auch an. „Couchsurfing in Russland“ ist sehr aktuell und in meinen Augen auch sehr relevant, da er mit seiner Erfahrung als deutscher Journalist und Russland-Reisender eine interessante Perspektive einnehmen kann. Auf den letzten Seiten bespricht er sogar noch kurz über die derzeitige Situation mit Trump und sein Verhältnis zu Russland. Mehr muss ich zur Aktualität des Buches nicht mehr sagen, oder? Also, lest es. Es wird euren Horizont um ein vielfaches erweitern.

Ein Meisterwerk, das einem Augen und Herz öffnet

lesehase

Aufgrund seiner Aktualität & Relevanz bekommt dieses Buch den Lesehasen verliehen.

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Anmerkung: Dieses Buch war ein Rezensionsexemplar des Malik / Piper Verlags – vielen vielen Dank dafür! :)

Nächstes Buch: The Universe has your back – Gabrielle Bernstein

5 Stars

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3 Kommentare

  • Antworten Svenja 11. April 2017 um 18:55

    Hey Tasmin!
    „Couchsurfing im Iran“ fand ich schon klasse und auch „Couchsurfing im Russland“ steht schon lange auf meiner Wunschliste. Durch deine Rezension habe ich wieder richtig Lust darauf bekommen es mir bald anzuschaffen :) Danke für die tolle Zusammenfassung!
    Liebe Grüße
    Svenja (www.pantaubooks.wordpress.com)

    • Antworten Tasmetu 12. April 2017 um 9:25

      Gerne, das Buch ist wirklich klasse. Viel Spaß beim Lesen. :)

  • Antworten Bücher, auf die ich mich freue | Frühjahr 2017 - Tasmetu 24. August 2017 um 10:46

    […] wahnsinnig spannendes Land und ich freue mich schon auf jedes einzelne Wort. Mehr zu diesem Buch Hier geht es zu meiner Rezension Erscheinungsdatum: […]

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