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Ein bisschen wie Unendlichkeit | Rezension

23. Februar 2017,5 Comments
Ein bisschen wie Unendlichkeit - Harriet Reuter Hapgood

»So ist es, wenn man jemanden liebt.
So ist es, wenn man um jemanden trauert.
Ein bisschen wie Unendlichkeit.«

Ein bisschen wie Unendlichkeit

Harriet Reuter Hapgood

Übersetzt von: Susanne Hornfeck

Verlag: Fischer Verlage

Seiten: 384 | Ausgabe: 2017

ISBN: 9783737340335

Zu kaufen bei Amazon* oder im Buchladen nebenan :)

 

Die Autorin:

Harriet Reuter Hapgood ist eigentlich Modejournalistin und lebt in Brighton. Doch ihr Großvater, ein deutscher Mathematiker, inspirierte sie dazu, mit diesem Buch zu beginnen.

Die Story:

Als die Ferien anfangen, möchte Gottie eigentlich nur unter dem Apfelbaum liegen, in die Sterne schauen und über das Universum nachdenken. Sie kennt jede Theorie zu Raum und Zeit und kann alles mit einer Formel erklären.

Außer, warum ihr bester Freund Thomas, der vor einigen Jahren weg­gezogen war, plötzlich wieder auftaucht. Warum niemand ihre Verzweiflung über den Tod ihres Großvaters Grey versteht. Und warum sie in Flashbacks ganze Szenen ihres Lebens erneut durchlebt. Verliert sie den Verstand oder wird sie wirklich in die Vergangenheit versetzt? Und wie kann sie in der Gegenwart bleiben – bei Thomas, dessen Küsse ihr Universum verändern?

(kopiert von Amazon)

Meine Meinung:

[Ich hatte ein unkorrigiertes Vorab-Exemplar – es ist also möglich, dass einige meiner Kritikpunkte in der fertigen Version nicht mehr zu finden sind]

Ich bin zwiegespalten, was dieses Buch angeht. Ich sehe die sehr positiven Aspekte, aber eben auch die negativen. Ich denke, es ist am Besten, wenn ich nicht versuche, euch einen Gesamteindruck zu schildern, sondern einfach die Aspekte durchgehe.

   Das Positive
Das Buch hat einige geniale und richtig schöne Aspekte. Es ist eine einzigartige Jugendbuchgeschichte, was ja doch recht selten vorkommt. Das liegt vor allem an den Charakteren. Sie sind alle individuell und weichen vom Klischee ab – Gottie liebt Mathe und Physik, liest lieber Hawking als am Strand schwimmen zu gehen. Ihr Bruder Ned ist ein verrückter Künstler, bei dem es vollkommen natürlich ist (auch für alle anderen Charaktere des Buches), dass er Eyeliner und Leopardenmuster trägt. Er ist schräg und liebenswert und in den Augen der anderen komplett normal, was ich eine tolle Botschaft finde. Auch dass die Metal Szene hier vollkommen natürlich einen Platz inmitten des kleinen, verschlafenen Küstendorfs findet, hat mich lächeln lassen. Thomas, der Strickjacken trägt und Asthma hat und den man eigentlich (zumindest in meiner Schule) uncool finden würde, ist der coole Typ, den man sofort mag. Gotties Freundin Sof ist lesbisch und auch das ist in der Geschichte ganz natürlich eingebettet, ohne großes Trara. So wie es sein sollte.
Die Anspielungen auf Deutschland und München haben mich natürlich auch immer wieder schmunzeln lassen.
Auch das Konzept mit der Trauer und den Wurmlöchern fand ich spannend und wirklich mal etwas anderes. Aber…

Das Negative
Ich hatte irgendein Problem mit der Geschichte, dass ich gar nicht so genau benennen kann. Vielleicht lag es auch nur an meiner derzeitigen Stimmung, aber irgendwie kam mir das Buch immer sehr weit weg vor. Ich konnte mich nicht in die Geschichte fallen lassen, war immer distanziert und konnte die Emotionen entsprechend nicht gut nachfühlen.
Der Schreibstil konnte mich auch nicht so ganz überzeugen. Er war nicht schlecht, aber hier und da stolperte ich durch die Seiten, weil sie wieder unpassende Verben verwendete oder wieder irgendeinen Sprung in Zeit/Handlung machte, den ich nicht gut nachvollziehen konnte oder schlicht zu kryptisch blieb. Ich weiß zwar nicht, wie viel hier an die Übersetzung verloren ging, aber es hat nicht gerade dazu beigetragen, dass ich das Buch verschlingen wollte.
So sehr ich die Charaktere theoretisch wegen ihrer Eigenheiten liebe, blieben sie mir doch alle fremd. Gottie ergab für mich überhaupt keinen Sinn, auch Thomas wirkte auf mich irgendwie unnatürlich. Ausgerechnet Ned, der schräge Vogel, fühlte sich für mich noch am „echtesten“ an.
Und dann kommen wir zu meinem dicksten Minuspunkt: Ausgerechnet die Wurmlöcher. Ich hatte mich so sehr auf den astronomischen Aspekt des Buches gefreut, doch dann nervte er mich sehr schnell. Grottie brabbelt nicht nur dauernd irgendwelche Formeln, die nicht gut in den Rest des Buches eingeflochten sind, sondern irgendwann wurde das mit den Wurmlöchern und Zeitsprüngen so absurd, dass ich gar nicht mehr durchblickte. Knapp 150 Seiten vor Ende des Buches hatte ich bereits die Nase voll und wusste überhaupt nicht mehr wer und was und wie jetzt real war – aber nicht auf die spannende, mysteriöse Art, sondern eher auf die „Oooookay? Können wir wieder in die Realität zurückkehren? Und das bitte endlich auflösen?“-Art. Und da – egal auf welcher Zeitachse man gerade unterwegs war – immer irgendwie ihre Verliebtheit zu irgendwem im Vordergrund stand (ich hatte oft das Gefühl, dass Grottie sich ausschließlich durch ihre Verliebtheit, ein paar Formeln und ihre Trauer definiert), hatte ich zu diesem Zeitpunkt auch keine große Lust mehr, weiter zu lesen. Als die Auflösung dann irgendwann endlich kam, war ich auch nur so mittelzufrieden damit.

Ich denke, dass dieses Buch großartiges Potenzial hat und viel schafft, was andere Bücher nicht schaffen. Mich konnte es leider nicht so berühren oder von den Socken hauen, wie ich das gehofft habe. Aber ich hoffe, dass viele Menschen in diesem Buch eine Geschichte finden, die ihren Blick auf die Welt ein wenig verändert.

Viel Potenzial und sehr individuell, aber leider nicht umwerfend

Anmerkung: Das Buch war ein Rezensionsexemplar des FJB Verlags – vielen vielen Dank :)

3 Stars

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