Kolumnen / Autorenleben

Nicht viel ist besser als nichts

15. Dezember 2016,2 Comments
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Dieses Jahr ist das erste Jahr, in dem ich aktiv und selbstständig Geld an Organisationen gespendet habe. Nicht, weil Weihnachten ist, auch wenn es aufgrund meiner finanziellen Lage nun damit zusammenfällt, sondern weil ich es nicht mehr ausgehalten habe. 

Prinzipiell bin ich der Meinung, dass niemand spenden muss, wenn das Geld für einen selbst nicht reicht. Da ich keinen festen (Neben)Job habe (das Warum spielt hier keine Rolle), habe ich eigentlich nichts, was ich geben kann. Aber dieses Jahr habe ich so viel über Menschenhandel gelernt und gelesen und es gibt noch so viel, das ich nicht weiß. Ich habe es einfach nich mehr ausgehalten.

Der Hintergrund

Für diejenigen, die es nicht wissen: Ich schreibe derzeit an einem belletristischen Buchprojekt zum Thema Menschenhandel. Ich habe viel recherchiert und befasse mich aktuell stark mit diesem Thema. Ich habe Dinge gelesen / erfahren, die für diese Menschen Alltag sind und bei denen mir beim bloßen Gedanken daran Galle und Tränen hochgekommen sind. Es gibt fast 3 Millionen Sklaven. Heute. Hier. Jetzt. Auch in Deutschland, in Europa, eigentlich überall auf der Welt und dieses Netzwerk ist so gigantisch und brutal, dass es mir immer wieder die Sprache verschlagen hat. Während ich das tippe, werden unzählige Männer zu bestialischer Arbeit gezwungen ohne dafür irgendetwas zu bekommen außer Schläge. Während ihr das lest, werden unzählige Frauen in schmutzigen Bordellen vergewaltigt, ohne dafür irgendetwas zu bekommen außer blaue Flecken und Krankheiten. Und wenn ihr diesen Beitrag vielleicht auf dem nächsten Christkindlmarkt vergesst, werden unzählige Kinder von ihren Familien getrennt und unter unmenschlichen Bedingungen versklavt.

Ich konnte nicht mehr nichts tun

Diese Fakten und die Geschichten, die ich gelesen habe, haben sich mir so eingebrannt, dass ich nicht mehr anders konnte, als zu spenden. Ich konnte nicht mehr nichts tun. Ich habe mich deshalb dazu entschieden, zwei kleinere Beträge an zwei Organisationen zu spenden:
Free The Slaves, bei der der Aktivist Kevin Bales sehr aktiv ist, und
Challenging Heights, gegründet von James Kofi Annan, einem Überlebenden der Sklaven am Voltasee (wo übrigens mein Buch spielt).
Beides sind Organisationen, denen ich aufgrund meiner Recherche zu meinem Buch vertraue und bei denen ich große Hoffnungen habe, dass sie etwas verändern werden. Es sind auch generell die Organisationen, mit denen ich mich am meisten beschäftigt habe und die mein Denken bezüglich dieses Themas geprägt haben.

Ich konnte nicht viel spenden und es wird leider auf vorerst eine einmalige Sache bleiben, weil ich es mir schlicht nicht leisten kann. Aber wenig ist besser als nichts. Das gilt für so vieles, aber ganz besonders für den Menschenhandel. Ein wenig Würde, ein wenig Geld, ein wenig Freiheit, ein wenig Hoffnung, ein wenig Zukunft ist besser als nichts.

Gegen das Vergessen

Ich teile das hier nicht, weil ich zeigen will, was für ein Gutmensch ich bin. Aber ich möchte euch daran erinnern, dass auch „wenig“ besser ist als „nichts“ und ihr auch mit kleinen Mittel einen Beitrag zur Veränderung leisten könnt. Und dass Weihnachten vielleicht stressig und Geld knapp ist, aber dass ihr Menschen wie die 3 Millionen Sklaven von denen einige sicherlich auch ein paar in der Fertigung einiger Weihnachtsgeschenke beteiligt waren/sind, nicht einfach vergesst. Selbst wenn es nur zu Weihnachten ist und ihr, wie ich, nicht viel geben könnt, solltet ihr doch etwas zur Veränderung beitragen. Denn nur so kann die Welt wieder ein besserer Ort werden.

Aleppo und die derzeitige Situation

Wer mir auf Twitter folgt, wird mitbekommen habe, dass ich alle mit Links und Tweets über Aleppo überschüttet habe. Dort passiert gerade ein Genozid und das nachdem es dort ohnehin schon so lange Krieg und Gewalt gab und ich bin so wütend, dass wir nicht alle darüber reden und nicht alle etwas spenden. Ich kann selbst eigentlich nichts mehr geben, weil ich eben diesen Monat schon gespendet habe und damit bereits mehr ausgegeben hatte als mir möglich war, aber ich versuche gerade eine Möglichkeit zu finden, Geld einzusparen um es an die White Helmets o.ä. zu spenden.
Deshalb auch hier der Aufruf: Wenn ihr ein wenig Geld erübrigen könnt, denkt an die Kinder in Aleppo, an die Mütter, die Väter, an alle diese Opfer und die mutigen Leute die ihnen jeden Tag in dieser verdammten Hölle helfen.
Ich verlinke euch HIER noch einmal einen Beitrag mit 7 Dingen, die wir tun können angesichts des Terrors in Aleppo und ganz Syrien.

UPDATE: Ich habe noch einmal an die White Helmets gespendet. Das bedeutet zwar, dass ich dieses JAhr weniger Weihnachtskarten und weniger Geschenke verteilen kann, aber das ist mir dieses Jahr einfach ein großes Anliegen.

Habt ihr schon mal gespendet?

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2 Kommentare

  • Antworten Wortlichter 16. Dezember 2016 um 13:12

    Liebe Tasmetu,

    Ich finde dein Engagement wundervoll. Danke dafür!
    Meine Einstellung zum Spenden hat sich über die Jahre sehr verändert. Früher war es noch so, dass ich einmal im Jahr einer Organisation einen kleinen Betrag gespendet habe. Es war eher, um das Gewissen zu erleichtern, ich habe mich nicht damit auseinandergesetzt was mit dem Geld passiert, oder wer es bekommt. Durch die Uni habe ich dann beschlossen bewusster zu spenden, wusste aber nicht so Recht, wie ich das angehen soll.
    Und dann hatte ich ein Erlebnis in Tunesien, was das alles verändert hat. Dort traf ich in der Nähe zur algerischen Grenze in bergigen Regionen, Kinder die an der Straße standen und Brot verkauften. An einer Straße, wo vielleicht einmal pro Stunde ein Auto vorbei kommt. In einer Region, wo man noch mit Eseln Wasser holen muss. Kinder, die eigentlich in der Schule sein sollten. Frauen die noch per Hand ein Feld bewirtschaften in brennender Hitze. Und die Kinder waren so mega glücklich, als wir ihnen ihr Brot abgekauft haben, ich habe noch nie glücklichere Kinder gesehen. Ein lächerlicher Betrag, hat sie so glücklich gemacht. Wir sollten uns also nicht davon abhalten lassen, dass wir zu wenig Spenden, 10 Euro sind wo anders schon mehr als ein Tageslohn. Und gleichzeitig sollten wir uns bewusst sein, dass unser Lebensstandard dermaßen hoch ist, dass wir schon bei kleinen Verzichten, wo anders viel erreichen können. Wenn wir zb. 2 % unseres Jahreslohns einsparen, dann ist das nicht viel, es fällt uns kaum auf. Aber aufs Jahr gerechnet, ist es doch viel.
    Ich vertraue allerdings selten noch Organisationen, weil ich es schade finde, dass dort viel verloren geht. Ich gebe am liebsten persönlich etwas und habe also ein paar Sachen, die ich so unterstütze. Hin und wieder würde ich aber auch eine Organisation unterstützen, wenn sie genau das macht, was ich unterstützenswert finde. Mein Traum ist es jedoch, ein eigenes Hilfsprojekt zu starten und ich denke Ethnologie gibt uns da eine tolle Basis, um zu sehen, was in der Welt vor sich geht, und auch was Eigenes zu wagen, ohne dabei Abhängigkeiten zu erschaffen. Ich werde ganz klein anfangen und dann schauen was sich daraus entwickelt.
    Ich denke da besonders an Empowerment und Unterstützung von Frauen. Ich würde auch sehr gerne in Kriegsregionen helfen, aber da ist es total schwer, dass die Hilfe auch ankommt, besonders wenn man dort keine Kontakte hat und nur auf die Organisationen vertrauen muss.

    Liebe Grüße, Anja

  • Antworten Frohe Weihnachten & schöne Feiertage - Tasmetu 22. Dezember 2016 um 10:39

    […] eine Liste und war am Adressen raussuchen, aber dann habe ich mich entschieden, zu spenden. Hier in diesem Beitrag erfahrt ihr auch warum und wohin. Da ich leider kein Einkommen habe, haben mir diese Spenden mein […]

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