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Der Garten der verlorenen Seelen | Rezension

2. November 2016,2 Comments
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Der Garten der verlorenen Seelen

Nadifa Mohamed

Übersetzt von: Susann Urban

Verlag: dtv

Seiten: 272 | Ausgabe: 2016

ISBN: 9783406663130

Zu kaufen bei Amazon* oder im Buchladen nebenan :)

Die Autorin:

Nadifa Mohamed wurde 1981 in Somalia / Somaliland geboren, zog als Kind mit ihrer Familie nach London und studierte in Oxford. Ihr Debüt „Black Mamba Boy“ war ein voller Erfolg.

Die Story:

Kurz vor dem Ausbrechen des Bürgerkriegs in Somalia, treffen dort drei sehr unterschiedliche Frauen aufeinander. Ein junges Mädchen, eine Soldatin und eine alte, sture Dame. Sie alle haben ihre Geschichte und ihr Schicksal und so sehr sie sich hassen müssten, finden sie doch zusammen, um zu überleben.

Meine Meinung:

Wer ein Buch voller starker Frauenpower, tiefen Abgründen in fremden Ländern und Hoffnung in den Herzen den Hoffnungslosen sucht, ist hier genau richtig.
Anfangs ist man noch ein wenig verwirrt – was soll diese Szenerie, wieso regt sich die Alte denn so auf, wieso passiert das alles so wie es passiert? Aber spätestens ab dem zweiten der drei Teile dieses Buches versteht man immer mehr, um was es geht. Sowohl in der Geschichte als auch zwischen den Zeilen. Nadifa Mohameds Schreibstil wirkt anfangs etwas ungelenk, packt einen aber mit jeder Zeile mehr und zieht einen langsam und fast unbemerkt zwischen die Seiten und gibt einen von dort nicht mehr frei. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund. Beschreibt Träume ebenso wie die Unterleibskrämpfe einer Soldatin, beschreibt schöne Erinnerungen genauso wie die schreckliche Kriegsrealität. Die Geschichte wird bildgewaltig, brutal, roh, aber auch mit viel Feingefühl und Liebe fürs Detail verfasst. Sie zeigt, wie unterschiedlich Menschen mit dem Krieg umgehen und wie er sie doch alle verändert.
Jede der Charaktere, die in diesem Buch eindeutig im Vordergrund stehen, hat ihre eigenen Macken und Vorzüge und irgendwie gelang es der Autorin, dass mir alle drei – obwohl ich persönlich ja normalerweise sowohl mit Kindern, alten Leuten und strengen „gefühlskalten“ Menschen in Büchern so meine Probleme habe – ans Herz gewachsen sind. Sie sind alle auf ihre ganz eigene, wunderbare Weise stark. Einfach in dem sie leben und das Beste aus dem machen, was sie haben. Dadurch, dass sie inmitten eines Albtraums nicht aufhören zu träumen und inmitten der Hoffnungslosigkeit nicht aufhören zu hoffen.
Desto weiter das Buch voran schritt, desto öfter fragte ich mich, wie Nadifa Mohamed all diese Fäden, die sie aufgegriffen hat, zusammen führen wollte. Der Klappentext versprach ja bereits, dass die drei sich begegnen und einen Pakt schließen. Und Seite um Seite wartete ich und er kam nicht. Doch für alle, die deswegen zweifeln sollten: Er kommt. Und er wird großartig sein, schlicht, weil er der beste in diesem Buch war.
Das Buch hat mich vor allem in seinem dritten und letzten Teil gepackt. Ich wollte wissen, wie es endet und wie genau es diesen drei tollen Charakteren weiterhin ergehen wird, während die Welt um sie herum untergeht. Sie hat es in meinen Augen richtig gut gelöst und mich damit sehr begeistert. Allerdings hätte dieser dritte Teil in meinen Augen durchaus noch länger sein können.
Außerdem hat mich das Buch sehr viel gelehrt. Ich habe – muss ich ehrlich sagen – wenig bis keine Ahnung von Somalia, den Menschen dort und dem Bürgerkrieg. Einzig die Beschneidung der Frauen war mir vertraut, die in diesem Buch zwar auch angesprochen aber nicht zu einem zentralen Thema gemacht wird. Die Autorin schafft es, das Alltagsleben dieser drei unterschiedlichen Frauen und ihren Weggefährten zu beschreiben und einem so nicht nur das Lebensgefühl der Einwohner, sondern auch die politische Lage und die Geschichte des Landes näher zu bringen. Eine große Leistung, wie ich finde.
Das Buch konnte mich, obwohl ich am Anfang skeptisch war, vor allem zum Ende hin überzeugen und ist deshalb auch eine Empfehlung von mir.

Bildgewaltig, brutal und trotzdem voller Hoffnung.

Anmerkung: Dieses Buch war ein Rezensionsexemplar des dtv Verlags – vielen vielen Dank! :)

Nächstes Buch: Sklaverei – Lydia Cacho

4 Stars

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2 Kommentare

  • Antworten Dunkle Materie und Dinosaurier | Rezension - Tasmetu 21. November 2016 um 12:53

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