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Die Musik der Stille | Rezension

5. Juli 2016,3 Comments
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„Sie kannte die wahre Geschichte der Welt. Alles andere waren nur Schatten und ferner Trommelschall.“

Die Musik der Stille

Patrick Rothfuss

Übersetzt von: Jochen Schwarzer & (Illustrator) Marc Simonetti

Verlag: Klett Cotta

Seiten: 173 | Ausgabe: 2015

ISBN: 978-3608960204

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Der Autor:

Patrick Rothfuss wurde 1978 in Wisconsin geboren und unterrichtete dort eine Zeitlang Englisch an einem College. Die Königsmörderchronik ist ein weltweiter Erfolg, obwohl der dritte Band noch auf sich warten lässt. Für den ersten Band „Der Name des Windes“ bekam er mehrere Preise verliehen.

Die Story:

Dieses Buch ist eine kurze Erzählung über Auri, einen sehr besonderen. Nebencharakter aus „Der Name des Windes“ und „Die Furcht des Weisen“.

Meine Meinung:

In den letzten Jahren wurde es zum Trend, kurze Novellen zu Bücherserien zu veröffentlichen. Die meisten lohnen sich nicht und auch bei diesem Buch wäre ich mir – übrigens genau wie Rothfuss selbst – nicht sicher, ob es wirklich 18 Euro wert ist. Es ist kurz und bringt die Haupthandlung der Königsmörder Chroniken nicht voran. Aber lesenswert ist diese Geschichte auf jeden Fall. Sicherlich nicht für jeden, denn sie ist sehr speziell, aber mir hat sie gefallen.
Obwohl ich persönlich kein Fan von Neil Gaiman bin, kann ich mir vorstellen, dass seinen Fans (die auch Rothfuss gerne lesen) diese Geschichte gefallen könnte – sie ist obskur, ein wenig seltsam, ein wenig düster, ein wenig magisch.
Auri ist so besonders, wie dieses Buch, das sich nur ihr widmet. Bereits in den Hauptbüchern der Serie fällt sie einem auf. Sie ist anders. Man kann diese Andersartigkeit nicht greifen, sondern spürt nur ihre reine Liebenswürdigkeit. In dieser kurzen Geschichte werden diese Charakterzüge noch stärker betont und man schließt Auri so sehr ins Herz, dass es beinahe wehtut.
Die Geschichte hat keinen wirklich Plot und es fehlt an vielem, was man von einem (Fantasy) Buch erwarten würde. Wenn man Auri aber kennt und liebt und mit ein bisschen verrückter Andersartigkeit umgehen kann, ist das Buch wie ein kleiner magischer Gegenstand im Regal. Es geht einem nicht mehr aus dem Kopf, obwohl es doch eigentlich gar keinen Mehrwert hatte, weder in sich selbst noch für die anderen Bücher. Stellenweise habe ich mich sogar gefragt, weshalb ich dieses Buch überhaupt lese – das waren die Punkte an denen ich an dem Verkaufspreis für so eine kurze Geschichte gezweifelt habe. Und auch der Grund weshalb es nicht 5, sondern 4 Herzen geworden sind. Denn manchmal erscheint diese Geschichte sinnlos, obwohl genau das ihr einen Sinn verleiht.
Auri ist so, wie sich mein Herz manchmal anfühlt. Plötzliche Angstzustände und das Bedürfnis, dass sich einfach alles richtig anfühlt. Die spontane Liebe zu Dingen oder hochkochende Wut, die schnell wieder abebbt weil sie keine Grundlage und/oder Berechtigung hat. Tage, an denen man weint und die Erde sich sonst nicht weiter dreht. Die schmerzhafte Liebe zu Menschen die unerreichbar und doch da sind. Die Schatten der Vergangenheit die uns in der Gegenwart in die Irre führen können. Rastlosigkeit. Der Wunsch, ein Ziel zu verfolgen und auf etwas hinzuarbeiten. Kribbelige Vorfreude, gemischt mit Nervosität aufgrund der viel zu schnell fliegenden Zeit. Schwindel, der einen manchmal an Dinge erinnert. Ich glaube, wir sind alle irgendwo ein bisschen Auri.
Als ich dann, nachdem mir diese Gedanken hier bereits gekommen waren, Rothfuss Nachwort gelesen habe, hatte ich tatsächlich eine Träne im Augenwinkel sitzen, die aber blieb wo sie war. Denn dort gehörte sie hin [Diesen Satz versteht man vermutlich nur wenn man das Buch gelesen hat].
Es lässt sich sicherlich darüber streiten ob sich der Kauf dieses Buches lohnt, aber das Lesen lohnt sich auf jeden Fall. Denn dieses Buch ist für so Leute wie mich. So Leute, die das Gefühl der Einsamkeit tragen wie einen Schild. Einen kleinen Knacks haben. Eine kleine Auri im Herzen haben.

Bezaubernd und obskur

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Nächstes Buch: Liebe ist was für Idioten. Wie mich. – Sabine Schoder

4 Stars

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3 Kommentare

  • Antworten Julia 5. Juli 2016 um 8:24

    Guten Morgen Tasmin!
    „Die Musik der Stille“ landete bei mir nach 50 Seiten wieder auf dem SuB. Aber jetzt bin ich wieder motiviert weiterzulesen, da Auri einer meiner Lieblingscharaktere ist. Jedoch erstaunte es mich, dass sie ein eigenes Buch bekam. Ich bin gespannt wie es beim zweiten Anlauf wird und ob ich es wirklich durchziehen kann und werde :)
    Viele Grüsse
    Julia

    • Antworten Tasmetu 5. Juli 2016 um 10:36

      Liebe Julia,

      ich glaube hier ist es wichtig das Vorwort und das Nachwort von Rothfuss zu lesen – er sagt ein paar Worte dazu wieso dieses Buch entstanden ist :)
      Wie gesagt ich kann mir gut vorstellen, dass es nicht jedem gefällt. Aber ich fand es schön :) Bin gespannt wie es dir beim 2. Versuch gefällt
      Liebe Grüße
      Tasmin

  • Antworten Lovetrotter | Rezension - Tasmetu 21. November 2016 um 13:03

    […] Nächstes Buch: Die Musik der Stille – Patrick Rothfuss […]

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