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Herzenstimmen | Rezension

16. Juni 2016,1 Comment
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„Manchmal müssen wir das Weite suchen, um Nähe zu finden.“

Herzenstimmen

Jan-Philipp Sendker

Verlag: Heyne Verlag

Seiten: 352 | Ausgabe: 2014

ISBN: 9783453409651

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Der Autor:

Jan-Philipp Sendker wurde 1960 in Hamburg geboren und arbeitete als Korrespondent für den Stern in Amerika und Asien. Mittlerweile lebt er wieder in Deutschland, um genau zu sein in Potsdam, zusammen mit seiner Familie. Als Buchautor wurde er zunächst für seine China Reportage „Risse in der Großen Mauer“ bekannt, bevor seine Romane folgten.

Die Story:

„Herzenstimmen“ ist die Fortsetzung von „Herzenhören“ (keine Sorge, diese Rezension kann man trotzdem lesen).
Es ist zehn Jahre her, seit Julia aus Burma zurückgekehrt ist. Zehn Jahre, in denen viel passiert ist und in denen sie alles vergessen zu haben scheint, was sie dort gelernt hat. Als sie plötzlich eine Stimme hört, die nicht zu ihr gehört, muss sie sich auf die Suche machen.

Meine Meinung:

Wieso habe ich so lange gebraucht um dieses Buch zur Hand zu nehmen? Es war fantastisch.
Bereits bei „Herzenhören“ war ich beeindruckt vom Schreibstil Sendkers und auch diesmal ließ er mich sprachlos zurück. Sendker schreibt nicht nur eine Geschichte. Julias Reise nach Burma, die Erfahrungen die sie macht und die Geschichten die sie hört, sind pure Poesie. Sendker scheint jedes Wort mit Bedacht gewählt zu haben und erschafft damit eine Geschichte, die schöner nicht sein könnte.
Julia, die in ihrem alten Leben immer ein wenig unsympathisch wirkt, wird wieder zu der Person, die man ins Herz schließen muss. Sie hat einiges durchgemacht, versucht es aber zugunsten des rasanten, karriereorientierten westlichen Lebens, zu ignorieren. Bis sie eine Stimme hört, die sie daran erinnert, dass nicht alles was wahr ist, erklärt werden kann. Um sie loszuwerden muss sie zurück nach Burma.
Es mag anfänglich – vor allem mit unserem westlichen Gedankengut – etwas seltsam erscheinen was Julia erlebt, doch man kann trotzdem nicht von der Geschichte lassen. Sendker fesselt einen mit fein gewebten Sätzen und den schönsten Zitaten an die Seiten und nimmt einen mit in das schwüle, bezaubernde Burma in dem alles so anders ist als bei uns.
Während „Herzenhören“ sich auf die (wunderschöne!) Liebesgeschichte ihres Vaters fokussiert, hat dieses Buch auch einen bitteren Beigeschmack. Denn es erzählt von Krieg und Verlust. Von Unmenschlichkeiten und Armut. Von Kinderseelen, die nicht vergessen können und Narben die nie verblassen werden. Aber es erzählt auch von Hoffnung und Neuanfang. Vom Verzeihen und Vergeben. Sendker schafft es selbst die grauenvollen Aspekte der Geschichte, die einem die Tränen in die Augen treibt, so zu verpacken, dass man am Ende des Buches trotzdem glücklich ist.
Außerdem zeigt er uns zwischen den Zeilen unsere eigenen Fehler, wie die Tatsache, dass wir „westlichen“ Menschen immer denken alles besser zu wissen in dem wir nur helfen wollen, obwohl das eine Situaton vielleicht sogar verschlimmert.
Die Charaktere waren, wie auch in Band Eins, gut ausgearbeitet. Man sieht sie vor sich, man hört ihr Herz schlagen und man fühlt mit ihnen. Mit ausnahmslos allen.
Ich glaube, dass mir dieser zweite Band sogar besser gefallen hat als der erste. Er war schön, poetisch, nachdenklich und fesselnd. Eine absolute Empfehlung.

Poesie für die Seele

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lesehase

Aufgrund der Kriegsthematik und der puren Schönheit dieses Buches bekommt es den Lesehasen verliehen

Nächstes Buch: Die Furcht des Weisen (2) – Patrick Rothfuss

5 Stars

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1 Kommentar

  • Antworten Simon vs. the Homo Sapiens Agenda | Rezension - Tasmetu 21. November 2016 um 13:05

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