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Zorn und Morgenröte | Rezension

5. Mai 2016,5 Comments
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“This dangerous girl. This captivating beauty.
This destroyer of worlds and creator of wonder.”

Zorn und Morgenröte

Renée Ahdieh

Übersetzt von: Dietmar Schmidt

Verlag: one Verlag

Seiten: 397 | Ausgabe: 2016

ISBN: 978-3-8466-0020-7

Zu kaufen bei Amazon* oder im Buchladen nebenan :)

Die Autorin:

Renée Ahdieh wuchs in Südkorea auf, heute lebt sie in den USA. Sie hat viele Hobbys, wie z.B. das Salsa tanzen oder ihr Hund, ist aber in aller erster Linie Autorin.

Die Story:

Shahrzad will Rache. Sie will sich an dem Menschen rächen, der ihr beste Freundin getötet hat. Doch das ist niemand geringerer als der Kalif, der sich jeden Abend eine neue Frau nimmt und sie bei Morgengrauen töten lässt. Also meldet sie sich freiwillig als seine neue Braut.

Meine Meinung:

Dieses Buch hat mich sehr positiv überrascht. Ich habe nicht erwartet, wie fein ausgearbeitet alles sein würde. Und dass ich, obwohl ich mich momentan im Studium sehr aktiv mit dem Alten Orient beschäftige, am World Building nichts zu meckern haben würde. Vermutlich weil es nicht sonderlich detailliert war, doch das tat dem Buch keinen Abbruch. Die Atmosphäre war so mystisch und orientalisch, wie man es sich von einer Märchen Neuerzählung wünscht. Man spürte förmlich den heißen Wind, roch die sonnenverwöhnte Haut und spürte Sand unter den Füßen.
Die Charaktere waren gut ausgearbeitet, auch wenn ich mir noch ein kleines bisschen mehr Tiefe gewünscht hätte, vor allem bei Despina und Jalal.
Ich mochte Shahrzad sehr gerne. Sie ist eine absolute Power-Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt, immer sagt was sie denkt und sich selbst zu verteidigen weiß. Besonders die Szene, in der sie auf der Straße sexuell belästigt wird, hat mir gefallen. Nicht nur, dass Ahdieh hier ein alltägliches Problem von Frauen (übrigens nicht nur im Orient) anspricht, sondern Shahrzad gibt mutig Kontra, versteckt sich nicht hinter dem Mann an ihrer Seite. Sie steht auf und weist den Idioten zurecht. Auch gegenüber dem Kalifen zeigt sie nicht den „angebrachten“ Respekt. Sie ist ihre eigene kleine Rebellion und das fand ich so wundervoll an ihr.
Umso mehr hat mich dann diese schnelle „Insta-Love“ Liebe gestört. Hier hat sie, für ihre Charakterzüge, meiner Meinung nach viel zu schnell nachgegeben und viel zu schnell viel zu viele Gefühle gehabt. Klar, manchmal passiert so etwas. Aber wenn ich jemanden abgrundtief hasse (und er mich in den ersten gemeinsamen Nächten vergewaltigt. Just saying), dann ist nicht plötzlich alles rosa Zuckerguss nur weil er mal einen guten Charakterzug durchblitzen lässt. Die Beziehung und auch die Liebe dahinter gingen mir zu schnell, obwohl die Autorin bemüht war Shahrzads Gewissenskonflikt deutlich zu machen.
Apropo Vergewaltigungen. In dem Buch geht es verhältnismäßig viel um Sex. Ich fand das okay, es hielt sich in einer angemessenen Waage. Allerdings wird das Buch als Jugendbuch verkauft und dafür war es mir dann doch zu viel. Ich denke da an 12jährige die diese süße, mytische Liebesgeschichte lesen und dabei lernen, dass es vollkommen okay ist wenn ein brutaler Herrscher (der dich vermutlich in wenigen Stunden umbringen lässt) deinen Körper benutzt wie einen Gegenstand. Und dass man sich dann am Ende sogar in so jemanden verliebt und unglaublich scharf auf ihn ist. Da kann ich nur den Kopf schütteln, sorry.
Obwohl das Buch in vielerlei Hinsicht erfrischend anders war, rutschte es doch hin und wieder in alte Klischees ab. So haben wir die altbekannte Dreiecksbeziehung, in der sich der Verlassene zu einer Rettungsmission hinreißen lässt und sich deshalb einer extremen Organisation anschließt, die Autorität seiner Geliebten untergräbt und aggressiv wird weil er sie so sehr liebt. Schon tausend mal gehört, hat mich das etwas gelangweilt. Auch andere Strukturen und Verläufe des Buches bedienten sich den klassischen Vorgehensweisen. Es war trotzdem noch ein sehr gutes Buch, aber es war eben nicht mehr einzigartig.
Der Fantasy Aspekt ist in diesem Buch anfangs sehr schwach, doch er bildet sich immer weiter aus und wird vermutlich im zweiten Band zu seiner düsteren Blüte finden. Es machte neugierig und brachte dieser dramatisch-kitschigen Liebesgeschichte die nötige Spannung.
Ich hoffe sehr, dass Shahrzad – die in der zweiten Hälfte des Buches einige ihrer rebellischen Charakterzügen eingebüßt hat – im zweiten Band wieder zu ihrer alten Stärke zurückfindet, die Liebesgeschichte etwas in den Hintergrund rückt und dafür umso mehr Mystik diese Welt aus Sand und Geschichten flutet.

Eine wunderbare Lektüre voller Sehnsucht und Mut

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Nächstes Buch: Maresi – Maria Turtschaninoff

4 Stars

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5 Kommentare

  • Antworten Julia 8. Mai 2016 um 17:05

    Ich fand leider das Buch nicht überzeugend. Ich erwartete zu viel und der Charakter war mir erstaunlicherweise unsympathisch, gerade weil sie sich so schnell in den grausamen Herrscher verliebt hat. Sie will ihn umbringen, weil er ihre beste Freundin getötet hat und ZACK sie verliebt sich und alles ist wunderbar? Fand ich ein wenig unrealistisch.

    Korrigier mich bitte falls ich falsch liege, ist schon eine Zeit her seit ich das Buch gelesen habe, aber „bietet“ sich Sharzad nicht in der ersten Nacht an und möchte mit ihm schlafen? Sozusagen zum Zweck um ihn für sich zu gewinnen oder so ähnlich? Oder hab ich das falsch in Erinnerung?

    • Antworten Tasmetu 9. Mai 2016 um 12:46

      Das sehe ich auch so (und habe ich ja auch geschrieben): Diese schnelle, reibungslose Liebe war einfach nicht gut gelöst, v.a. mit der Vorgeschichte.
      Naja, sie lässt ihre Klamotten fallen. Mehr eigentlich nicht. Aber deshalb MÖCHTE sie es noch lange nicht. Er hätte ja auch einfach nein sagen können. Und es blieb ja nicht beim ersten Mal. In Ordnung war es auf jeden Fall nicht.

      Danke für deinen Kommentar :)

      • Antworten Julia 9. Mai 2016 um 12:54

        Stimmt, sie war ja selbst angewiedert davon ihn zu küssen oder nur gar anzufassen. Wie gesagt hab ich das Buch vor ein paar Wochen gelesen und ich hab die Handlung schon jetzt ein wenig vergessen.
        Du bist übrigens die Erste, von der ich etwas kritisches über das Buch gelesen habe! Bin beruhigt, dass ich nicht die Einzige bin, die das Buch teilweise kritisiert :)

        • Antworten Tasmetu 9. Mai 2016 um 13:45

          Danke :) Ich versuche immer positive und negative Aspekte herauszustellen, sofern mir etwas auffällt. Auch Jugendbücher, eigentlich vor allem Jugendbücher, sollten kritisch gelesen werden :)

  • Antworten Bücher, auf die ich mich freue | Frühjahr 2017 - Tasmetu 4. Dezember 2016 um 17:33

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