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Einfach. jetzt. machen! | Rezension

26. Mai 2016,1 Comment
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Einfach.jetzt.machen!

Wie wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen

Rob Hopkins

Übersetzt von: Gerd Wessling, Iris Sprenger, Martin Elborg

Verlag: oekom

Seiten: 192 | Ausgabe: 2014

ISBN: 9783865814586

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Der Autor:

Rob Hopkins wurde 1968 in London geboren und ist der Begründer der sogenannten „Transition Bewegung“. Er lebt in Großbritannien und ist Dozent, Aktivist und Autor von „Transition“-Büchern.

Die Story:

In dem Sachbuch „Einfach. jetzt. machen!“ stellt Rob Hopkins die Transition Bewegung vor. Ein Konzept für regionale Projekte, die die Welt verbessern sollen.

Meine Meinung:

Ich habe dieses Buch in Vorbereitung auf ein Uni Seminar gelesen und bin etwas zwiegespalten. Einerseits finde ich die Thematik, die diesem Buch zu Grunde liegt, extrem spannend und auch sehr wichtig. Es geht um vieles: Umweltschutz, Wirtschaftskrise, Zwischenmenschliches. Er sagt (und ist mit dieser Meinung nicht alleine wie er gleich zu Beginn des Buches zeigt), dass die Wirtschaft nicht jedes Jahr anwachsen kann. Dass eine Konsumwirtschaft und ein ständiges Wachstum nicht die optimalen Lösungen sind, auch wenn es uns so verkauft wird. Dass die Tatsache, dass wir den Klimawandel mehr oder minder ignorieren, alles nur noch schlimmer machen wird. Dass wir vor lauter Egoismus nicht einmal wissen wer unsere Nachbarn sind. Dass wir JETZT anfangen müssen etwas zu tun. Im kleinen Rahmen. Nicht auf Retter zu warten, sondern selbst zu handeln.
Ich stimme diesen Aspekten absolut zu und finde auch die vielen wirklich guten Initiativen, die in diesem Buch vorgestellt werden, großartig. Dennoch kann es nicht uneingeschränkt empfehlen.
Was ich an dem Buch nicht mochte, war dieser Ton, als sei Hopkins ein Prophet und diese kleinen Projekte die Lösung ausnahmslos aller Probleme auf dem Planeten. Dass, wenn wir alle unsere gesamte Freizeit in Nachbarschaftsprojekte stecken, die Welt plötzlich zu einem Paradies mutieren würde.
Ich glaube, Hopkins ist sich durchaus bewusst, dass es nicht so ist. Dennoch schwingt es in dem Buch sehr stark mit und das hat mich genervt. Ich glaube ich bin zu realistisch veranlagt um so ein dünnes Buch zu lesen und danach zu denken, dass die Welt mit allein solchen Projekten gerettet werden kann. Denn natürlich sind solche Projekte wundervoll und unterstützenswert, aber auch nicht die Lösung für alles. Nicht jede Gemeinde hat so motivierte Mitglieder, nicht jeder hat Geld für eine Solaranlage, nicht jeder hat Zeit für solch aufwendige Projekte und auch nicht jeder will seinen Horizont auf den der engeren Nachbarschaft beschränken.
Ich weiß, es ist egoistisch und vermutlich dumm von mir, doch ich weiß, so sehr ich mein Heimatdorf liebe, dass ich dort – wenn ich wie vorgeschlagen nur noch Fahrrad fahre, nirgendwo mehr hinfliege/-fahre, mein soziales Leben auf meine Nachbarn konzentriere und nur noch selbst angebautes Gemüse esse (was eine sehr vereinfachte Darstellung der Transition Bewegung ist) – nicht glücklich werden würde. Für mich gehören Mobilität, Abenteuer und Reisen zu den Dingen, die mein Leben erst lebenswert machen.
Außerdem ist die Welt – nicht zuletzt durch das Internet – so vernetzt und globalisiert, dass dieser „Rückschritt“ (der in Hopkins Augen ein Fortschritt wäre), schwer umsetzbar ist. In dem Rahmen wie jetzt: Ja. Auf die ganze Welt ausgeweitet: nein. Da würde nämlich dann u.a. die wichtigste Motivation, die Kreativität und Neuentdeckung von Altem, ganz schnell wegfallen. Da wären die Gemüseladen des örtlichen Bauern ganz schnell wieder Alltag. Und dann? Was kommt danach?
Noch dazu kommen viele andere Probleme. Flüchtlinge (von denen es in der Zukunft noch viel mehr geben wird). Wie will man solchen Menschen helfen, sie verstehen und ggf. auch integrieren wenn alle Energie in sehr regionale Projekte fließt? Wie will man Terror bekämpfen? Kriege beenden? Wie will man auf geistigem und moralischem Niveau weiterkommen wenn man sich nicht mehr in der Welt umsieht? Wo soll man Inspirationen finden wenn man in solch begrenztem Rahmen interagiert?
Denn selbst wenn in Europa plötzlich alle Komunen anfangen würden der Transition Bewegung beizutreten: Die Welt ist verdammt groß, verdammt komplex und sie war noch nie homogen und wird es auch nie sein. Ja, wir sollten alle am selben Strang ziehen aber das wird so, wie er es sich vorstellt, nicht passieren.
Trotz meiner Zweifel muss ich sagen, dass ich sehr beeindruckt bin. Die Projekte, die bereits laufen und die Effekte, die sie haben, kann man nur bewundern und man sollte solche Aktionen fortführen und erweitern. Denn Hopkins hat in vielen Punkten Recht und das wichtigste: Er erinnert uns nicht nur an die unschönen Fakten, sondern bietet handfeste Lösungen, die auch als Einzelpersonen oder in kleinen Gruppen umsetzbar sind und großen Einfluss haben. Diesbezüglich fand ich diese Lektüre sehr inspirierend und empfehle sie allen, die unsere Welt gerne verbessern würden aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Dieses Buch ist ein guter Anfang, aber eben auch nur das.

Lösungen statt Gejammere

Nächstes Buch: Imagine – Jonah Lehrer

3 Stars

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