Kolumnen / Autorenleben

Die Kunst, offline zu gehen

21. April 2016,7 Comments
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Ich gebe es hiermit ganz offiziell zu: Ich bin internetsüchtig. Das Wort „Sucht“ hat etwas erschreckendes, mit dem man eigentlich nichts zu tun haben will. Dennoch sind mehr Menschen internetsüchtig als sie glauben. Ich gebe es hiermit zu.  

Sei es aus Langeweile oder zu Recherche Zwecken: Ich bin permanent online. Das Erste was ich morgens mache ist aufs Handy gucken, Mails checken, twittern. Dann stehe ich auf, mache den Laptop an und nach dem Frühstück sitze ich auch schon wieder vor dem Bildschirm. Die meiste Zeit mache ich gar nicht so viel. Klar, ich schreibe Blogposts, beantworte Kommentare, lese Blogs und Artikel, aber hauptsächlich hänge ich einfach nur rum. Das was ich früher draußen an der frischen Luft gemacht habe, passiert nun online. Mit Stöbern, Seite neu laden, nochmal neu laden, uuuuund nochmal, YouTube Videos ansehen (vor allem YouTube Videos ansehen!), Statistik checken, Instagram angucken, mich in den Netzen von Pinterest und Tumblr verfangen, usw.

Dabei bin ich auch ohne das Internet bereits viel zu viel am Laptop: Videos schneiden, Bilder bearbeiten, ein Buch schreiben, für andere texten, Musik hören. Das funktioniert alles wunderbar ohne Internet und doch bin ich immer online. Immer erreichbar. Immer abgelenkt.

Online = abgelenkt

Ich weiß das schon sehr lange und doch habe ich mir nie tiefergehende Gedanken dazu gemacht. Klar, das „immer erreichbar sein“, die Erwartungen und v.a. die Unruhe die damit einhergehen, nerven schrecklich und sind noch einmal ein ganz eigenes Thema für sich (dazu kommt eventuell auch bald ein Beitrag). Aber vor allem das „abgelenkt sein“ fiel mir in letzter Zeit enorm auf. Wie viele Minuten, wenn nicht gar Stunden habe ich in letzter Zeit vor meinem Laptop / im Internet verbracht ohne etwas sinnvolles zu tun?

Natürlich darf ich auch mal abschalten und nichts tun. YouTube Videos bis zum Umfallen gucken (zumal ich aus denen meistens auch irgendetwas mitnehme. Aber auch das ist ein Thema für sich). Aber doch nicht jeden Tag. Zwischendurch. Wenn die To Do Liste neben mir liegt und ich dann abends im Bett liege und mich wundere, weshalb ich heute nur 500 Wörter getippt habe anstatt der angepeilten 3.000 und mal wieder kein Yoga gemacht habe, weil es plötzlich schon Mitternacht war. Ich hatte 15 Stunden Zeit und habe kaum etwas gemacht. Warum? Die Antwort ist einfach: Fehlende Konzentration, fehlende Fokussierung. Ausgelöst durch: Internet und die damit einhergehende Ablenkung.

So habe ich mich letztens dabei erwischt wie ich mitten in einem guten Schreibflow am 2.Teil von Avaly auf Twitter gegangen bin (Warum auch immer. Vermutlich wollte ich nichts verpassen? Dieses „nur kurz auf Twitter gucken“ ist mittlerweile so eine Gewohnheit, dass ich nicht einmal mehr merke wenn ich es mache) und dort ein neues Video von iiSuperwomanii beworben wurde. Dann habe ich eine viertel Stunde dieses Video angesehen. In diesen 15 Minuten hätte ich 500 Wörter tippen können.

Anschließend war ich natürlich auch nicht mehr im Schreibflow, denn mein Gehirn beschäftigte sich lieber mit Lilly Singhs Video anstatt mit Avalys Abenteuern. Das sind die Momente, in denen ich manchmal meinen Kopf auf die Tischplatte fallen lasse und laut über mich selbst fluche.

So, jetzt kennen wir das Problem. Aber was ist die Lösung?

Offline gehen. So einfach und doch so schwer.

Für jemanden wie mich, der so viel und selbstverständlich Zeit online verbringt ist es manchmal gar nicht so einfach das WiFi auszuschalten und das Handy wegzulegen. Da kommen dann so fadenscheinige Ausreden wie „Ich muss doch auf Spotify meine Playlist anhören können“ oder „Vielleicht muss ich ja etwas recherchieren“ – Aussagen, die ich mir selbst nicht abkaufe.

So albern es klingt, aber es fällt mir wirklich schwer. Deshalb muss ich wohl auch dazu stehen, dass es als Sucht zu bezeichnen ist. Aber ich mag das Wort „Sucht“ nicht und ich möchte auch keine haben. Also werde ich mich jetzt selbst auf eine kleine Internet Kur begeben, auch wenn ich dabei eventuell wahnsinnig werde.

Interessanter Weise habe ich im Urlaub kein Problem damit, offline zu sein. Da kann ich zwei Wochen ohne Internet, ja sogar ohne Handy sein ohne, dass es mir überhaupt auffallen würde. Aber sobald ich wieder zu Hause bin klebe ich wieder vor dem Bildschirm wie eine Motte am Licht. Leider habe ich nicht das Geld um mal eben kurz ein paar Wochen oder Monate wegzufliegen und Abenteuer zu erleben. Außerdem will ich schreiben, dazu brauche ich aber nicht nur Konzentration sondern auch meinen Laptop.

Doch genau hier liegt die Lösung: Ich will (aus mehreren Gründen) bis Ende April die Rohfassung vom 2. Teil von Avaly beenden. Und deshalb werde ich mir zwar keine Auszeit auf dem Blog o.ä. nehmen, aber ich werde mir selbst beibringen, dieses kleine WiFi Symbol auszuschalten und mich auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Und das passiert offline. Seien es meine Freunde, meine Familie, meine Uni oder eben das Schreibprojekt. Nichts davon braucht 24h Internet. Im Gegenteil.

Deshalb: Ich bin dann mal offline.

 

Habt ihr Tipps, wie man sich vom Internet distanzieren kann? Braucht ihr auch manchmal Zeit in der alle Geräte ausgeschaltet sind? Erwischt ihr euch auch manchmal beim dauernd-aufs-Handy-schauen?

 

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7 Kommentare

  • Antworten Lily 21. April 2016 um 14:36

    Wow. Ich finde mich SO wieder in deinem Beitrag, das ist fast gruselig. Sogar der Absatz, dass es dir im Urlaub kein bisschen schwerfällt, auf das Internet zu verzichten – same here!

    Ich wünsche dir von Herzen viel Erfolg bei dem „Projekt“, das Internet öfter einfach mal auszuschalten! Vielleicht kann ich mir ja ein Beispiel an dir nehmen. :)

    Viele liebe Grüße
    Lily

    • Antworten Tasmetu 22. April 2016 um 8:52

      Schön, dass ich nicht alleine bin :D
      Dankeschön, ich wünsche dir auch viel Erfolg :) Es tut richtig gut wenn man mal offline ist und was schafft oder sich z.B. mit einer Freundin unterhält. Habe mich diese Woche 2mal mit Freunden getroffen und dabei das Handy auf Flugmodus gehabt – ich hatte schon lange nicht mehr so entspannte, schöne Treffen. :)
      Danke für den Kommentar <3

  • Antworten Daniela 22. April 2016 um 9:32

    Das kenne ich auch nur zu gut… Ich schreibe gerade meine Masterarbeit, bin aber permanent abgelenkt durch Twitter, Youtube & co. Es ist ähnlich wie bei dir: Am Ende des Tages habe ich das Gefühl, zwar Stunden vor dem PC verbracht zu haben, aber nicht wirklich produktiv gewesen zu sein. :( Ganz offline gehen ist doof, weil ich das Internet zum Teil für die Literaturrecherche usw. brauche. Ich versuche es deshalb momentan mit „Forest“, das ist ein Add-on für den Browser, mit dem man bestimmte Websites für eine Weile „sperren“ kann. Ich habe es auch als App auf dem Handy. Mal schauen, ob es langfristig etwas bringt… Schaden kanns ja nicht. ;)

    Liebe Grüsse und viel Erfolg noch beim Offline-Sein! :)
    Daniela

    • Antworten Tasmetu 24. April 2016 um 9:42

      Liebe Daniela,

      danke für deinen Kommentar :) Solche Add-ons können auf jeden Fall hilfreich sein und es ist gut, wenn sie bei dir funktionieren. Ich selber sträube mich etwas dagegen :D
      Danke dir auch :)

  • Antworten Julia 22. April 2016 um 12:51

    Ich kann dich da voll und ganz verstehen! Wegen meines Blogs habe ich nun auch Bloglovin und Goodreads und bin noch öfters am Handy. Wenn es sich vermeiden lässt gar keine Apps davon runterladen. Vor ca einem Jahr hörte ich über die Weihnachtsferien auf zu twittern, deinstallierte die App und war ein Jahr lang offline, ohne grosses Bedürfniss zu twittern :)
    Ich bin viel auf Tumblr und verschwende keine Zeit dort, also wurde die App schnell wieder gelöscht. Naja, jetzt bin ich dafür wieder auf Twitter. Upps.

    Ich hoffe du findest einen Weg und die Selbstbeherrschung für ein paar Stunden dein Handy auf die Seite zu legen und dich wichtigeren Dingen zu widmen.

    Liebste Grüsse
    Julia

    • Antworten Tasmetu 24. April 2016 um 9:44

      Ja stimmt der Blog hat da auch sehr große Auswirkungen. Da muss man up to date sein, auf Twitter aktiv sein, checkt seine YouTube Zahlen, etc… aber ich liebe meinen Blog und auch Twitter – löschen und da komplett aussteigen kommt also nicht in Frage. Aber Hut ab, dass du das durchgezogen hast!
      Bisher läuft es ganz gut, danke :) Dir auch viel Erfolg dabei :)

  • Antworten Monatsrückblick | April 2016 - Tasmetu 3. Mai 2016 um 7:31

    […] Die Kunst, offline zu gehen – warum ich in nächster Zeit öfter das Internet ausschalten möchte. Bisher schalte ich bei Treffen mit Freunden immer sehr erfolgreich den Flugmodus am Handy an. Es hilft! […]

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