Allgemein

LGBTIQ | Buchempfehlungen | Gastbeitrag

19. Januar 2016,5 Comments
LGBTIQ - Tatzi
LGBTIQ? Kann man das essen?

Natürlich nicht! Das ist nicht wie Quinoa und andere lustige Essenserscheinungen, sondern eine Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersex, Questioning.

Was sind also LGBTIQ-Romane? Das sind Bücher, die sich mit diesen Menschen auseinandersetzen, mit deren Probleme, Bedürfnisse und Wünsche. Also durchaus eine wichtige Art von Literatur, die nicht als Genre gesehen werden soll. Es gibt Thriller mit schwulen Cops, herzergreifende Romane zwischen der Liebe zweier lesbischer Frauen oder Identitätsfindung eines intersexuellen Jugendlichen. Oder auch: Welche Sexualität hab ich überhaupt? Egal ob in Neben- oder Hauptfiguren, die Diversität der Figuren, darauf kommt es an. Vor allem in der Jugendliteratur ein durchaus wichtiges Thema, denn auch solche Jugendliche brauchen Romane in denen sie sich repräsentiert fühlen.

Und warum sollte man sowas lesen? Selbst wenn man sich zu keiner dieser Gruppen zuordnen kann ist es immer gut zu wissen wie Menschen sich fühlen. Vielleicht hat man einen homosexuellen Freund und versteht es nicht so richtig? Bücher können helfen es nachzuvollziehen. Das richtige Buch zur richtigen Zeit wirkt Wunder! Also keine Ausreden mehr und außerdem gibt es viel zu gute Romane mit LGBTIQ-Charakteren, um sich diesen zu verschließen. Noch Zweifel?

Lasst euch vom Gegenteil überzeugen!

 

The Perks of Being a Wallflower
(dt. Titel: Das ist also mein Leben)
Stephen Chbosky

Mittlerweile wohl DER Klassiker der amerikanischen Jugendliteratur. Trotz einer großartigen Verfilmung mit dem Titel „Vielleicht lieber morgen“ mit Emma Watson, Logan Lerman und Ezra Miller bleibt der Roman in den deutschen Ländern weniger bekannt. Zu Unrecht! Stephen Chbosky schreibt über drei Jugendliche, die sich finden müssen und ihren Platz im Beziehungs- und Lebenskarussell suchen. Da dreht es sich um Sexualität und auch wie es ist, als homosexueller Jugendlicher in den 90er zu leben. Gefühlvoll und wirklich zurecht ein moderner Klassiker der Jugendliteratur.

None of the Above
I.W. Gregorio

Intersexualität in unseren Köpfen ist für uns eher ein Rätsel. Höchstens wer „Middlesex“ kennt, dem dürfte es noch bekannt vorkommen. Was ist das überhaupt und wie entsteht sie? Damit setzt sich Gregorio in ihrem Jugendroman auseinander. Mit den richtigen Ton und professionellen Blick als Ärztin erzählt sie die Geschichte einer Teenagerin, die erkennen muss, dass sie intersexuell ist. Für sie eine große Umstellung und sie wird mit vielen Probleme konfrontiert. Auch mit dem, wie ihre Mitschüler sie plötzlich wahrnehmen.

Simon vs the Homo Sapiens Agenda
(dt. Titel: Nur drei Worte)
Becky Albertalli

Wer eine süße Liebesgeschichte lesen will, der muss zu „Simon vs the Homo Sapiens Agenda“ greifen. Geschrieben von Becky Albertalli, die als Psychologin Erfahrungen mit Jugendlichen hat, hat man hier nicht nur eine herzergreifende Liebesgeschichte zweier homosexueller Jungs, sondern auch ein unglaublich authentisches und liebesvolles Bild eines Jungen, der seine eigene Sexualität entdeckt. Unverkrampft und ehrlich! Nicht zu vergessen die vielen Harry-Potter-Anspielungen, die wohl jeden Leser begeistern können.
Rezension von Tasmin

Wer hier schlussendlich sich nicht für die Liebe freut, dem ist eh nicht mehr zu helfen.

 

Every Day
(dt. Titel: Letztendlich sind wir dem Universum egal)
David Levithan

Wer ungewöhnliche Ideen liebt, ist bei Levithan genau richtig. Bekannt für seine Romane mit vielen LGBTIQ-Charakteren ist es gerade „Every Day“, das heraussticht. A erwacht jeden Tag in einem anderen Körper, egal ob männlich oder weiblich und trifft die Liebe seines Lebens. Hängt die Liebe also wirklich vom Geschlecht hab? Eine interessante Frage, die David Levithan mit großartiger Sprache auf den Grund geht.
Rezension von Tasmin

I’ll Give You the Sun
Jandy Nelson

Poetisch, philosophisch und ein wenig magisch. Das ist „I’ll Give You the Sun“. Im Zentrum stehen zwei Geschwister, deren Familie und wie ihre Beziehung zueinander bröckelt. Vor allem Noahs Perspektive fasziniert und auch seine Neigungen, die er versucht zu unterbinden. Eine berührende Geschichte über die Suche nach sich selbst und was aus uns wird, wenn wir uns vor uns selbst verstecken.

Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe
(dt. Titel: Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums)
Benjamin Alire Sáenz

Ein Roman über eine Freundschaft und über Verdrängung. Nämlich das, was man selbst ist. Philosophisch und doch in einfachen Worte erzählt schafft es Benjamin Alire Sáenz eine ergreifende Geschichte zweier Jungen zu erzählen, die anders als der Rest zu sein scheinen. Ein Roman mit Sogwirkung, der einen am Schluss mit Tränen kämpfen lässt.

 

Und da hört es nicht auf! Noch nicht genug? Hier noch zwei Autorenempfehlungen auf die Hand zum Mitnehmen:

James/Juno Dawson

Immer LGBTIQ-Charaktere an Bord, hat sie auch einen Ratgeber für homosexuelle Teenager rausgegeben. Sie ist eine sichere Bank für gute Unterhaltungsliteratur (auch Teenie-Horror vom Feinsten!) mit tollen Charakteren. Und zudem ein Vorbild für alle Jugendlichen, die sich mit Thema Identität auseinandersetzen. Denn Juno Dawson war vor kurzem noch James Dawson.

David Levithan

Selbst homosexuell liegt ihm das Thema schwer am Herzen. Neben „Every Day“ hat er einige Romane mit vielen verschiedenen Charakteren geschrieben. Sein „Two Boys Kissing“ setzt sich mit einer Gruppe homosexueller Jungen auseinander und auch sonst erhebt er den Anspruch Menschen aller Art in seinen Romanen abzubilden.

 

Wer noch mehr Bücher in diesem Bereich sucht, der sollte sich die Liste von Juno Dawson ansehen. Eine Zusammenfassung vieler verschiedener Jugendbücher mit LGBTIQ-Charakteren.

Hoffentlich ist ein Tipp für euch dabei und ihr traut euch zu eurem ersten LGBTIQ-Roman. Glaubt mir, es lohnt sich und je mehr Leute sie lesen, desto normaler und verständnisvoller wird mit diesem Themen umgegangen. Und damit gewinnen doch eigentlich alle, oder?

 


 

Dies war ein Gastbeitrag von Sky von Skys Buchrezensionen – ein großartiger Mensch mit einem großartigen Blog. Wer seine Rezensionen nicht kennt, hat wirklich etwas verpasst. Sky umschreibt seine Meinung zu Büchern immer mit sehr viel Herzblut und perfekter Wortwahl – durch ihn habe ich gelernt, dass auch Rezensionen richtig witzig, verdammt ehrlich und auch herzzerreißend schön sein können. Das trifft natürlich auch auf seine Blogposts zu, die keine Rezensionen sind.
Ich vertraue schon lange auf seine Buchtipps und er gehört zu den wenigen Buchbloggern die ich wirklich sehr sehr regelmäßig lese.
Außerdem ist er auch auf Twitter sehr aktiv (folgt ihm!) und ich durfte ihn bereits persönlich kennen lernen und kann euch sagen: Wenn man Sky einmal kennen gelernt hat, möchte man ihn nicht mehr missen. Er gehört zu dieser seltenen Sorte Mensch, die ein wirklich großes Herz mit einem offenen Ohr und einer Menge Hirn kombinieren.

Und noch eine Anmerkung zum Thema LGBTIQ: Ich wollte diesen Beitrag unbedingt von Sky schreiben lassen, da er die besseren Worte und auch die besseren Buchtipps finden würde. Ich stehe aber voll hinter ihm und lege euch die Literatur solcher Bücher auch persönlich noch einmal sehr ans Herz.


 

Das könnte dich auch interessieren

IMG_2231-Bearbeitet

Neuzugänge

4. Mai 2014
IMG_1437

Die Welt ist Poesie | Welttag der Poesie

21. März 2017
BucherflohmarktHaul_17

Bücherflohmarkt & Frühjahrs BOOK HAUL

25. März 2017

5 Kommentare

  • Antworten Rike 20. Januar 2016 um 21:45

    Sehr schöner Beitrag über ein Thema, das leider oft ein bisschen zu kurz kommt! Was ich mich gefragt habe: steht das Q nicht eigentlich für queer, also nicht festgelegtes Geschlecht?

    Lg Rike

    • Antworten Sky 21. Januar 2016 um 22:24

      Es gibt beides. Q für Queer, aber auch für Questioning. Ich persönlich habe Questioning gewählt, weil mir Queer immer zu oft nur auf Homosexualität bezogen ist. Da ist das Questioning wesentlich weiter gefasst und bringt auch andere Formen der Sexualität noch mit wie auch die Leute, die sich selbst kein Label geben möchten oder noch nicht wissen wie sie eigentlich zu sich stehen.
      Aber grundsätzlich sind fast sinngleich zu betrachten. Queer war ja auch ursprünglich eher abwertend und hat durch die LGBT-Bewegung aber eine Wandlung hinter sich.

      Nach bisschen Text: Beides möglich :)
      Queer ist ein „umbrella word“ für jegliches Geschlecht oder Sexualität.
      Questioning steht für man legt sich nicht fest oder weiß es noch nicht.
      Letzterer Zusammenhang war mir in diesem Zusammenhang aber wichtiger.

      Liebe Grüße,
      Sky

      • Antworten Rike 23. Januar 2016 um 15:36

        Ah, ich verstehe! Ich habe mich nur gewundert, da ich selbst jemanden kenne, der sich nicht festlegt und als queer bezeichnet.
        LG Rike

  • Antworten Simon vs. the Homo Sapiens Agenda | Rezension - Tasmetu 13. Juni 2016 um 7:13

    […] Handy gelesen (eigentlich lese ich ja keine E-Books, aber dank Sky, der das Buch u.a. in seinem Gastbeitrag empfohlen hat, hatte einen Kindle Deal entdeckt und ich konnte nicht anders) und konnte nach […]

  • Antworten JUNI WRAP-UP | 2016 | Video - Tasmetu 2. Juli 2016 um 7:39

    […] Gastbeitrag zu LGBTQ Empfehlungen […]

  • Verfasse einen Kommentar