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Der Moment des Glücks

24. Juli 2015,6 Comments
gluckmoment

Sie scheinen so ungreifbar, diese Momente des Glücks. Kaum sind sie da, kommt der nächste Mist um die Ecke und alles ist dahin. Glück ist nicht greifbar. Aber heißt es nicht, Glücklich sein sei nur eine Einstellungssache?
Ich weiß, dass viele Leute dieser Aussage widersprechen. Wenn man eine Depression (o.ä.) hat, ist es keine Einstellungssache mehr. Dann überrollt es einen und man kann nichts dagegen tun und möchte jedem, der mit so einem Spruch um die Ecke kommt, gerne mal ins Gesicht treten. Und das respektiere ich.
Aber mit Projekt 2016 habe ICH mich dazu ENTSCHIEDEN, glücklichER zu werden. Klar kann ich nicht jeden Tag ein glücklicher und optimistischer Sonnenschein sein – das entspricht meinen Charakter nicht einmal. Aber ich wollte öfter glücklich sein, diese Momente des Glücks öfter zu fassen bekommen. Und jetzt, nach langem „Training“ kann ich erste Erfolge verzeichnen.

Tränen und Schreie

In den letzten Monaten hatte ich so oft richtige Lachkrämpfe – sei es wegen einem Tippfehler in Jennies Tweet („vegetarischer Bürger“) oder Hennis Bild Antwort auf den #määäh Hashtag oder irgendwelche Kleinigkeiten. Beinahe hatte ich schon vergessen, wie es sich anfühlt, wenn man gar nicht mehr aufhören kann zu lachen und einem alles wehtut und man immer weiter lacht, bis einem wirklich Tränen aus den Augen laufen. Und es TUT.SO.GUT. Wirklich. Es ist richtig befreiend.

Auch etwas anderes ist befreiend. Schreien. Dadurch, dass ich als Kind ziemlich…. laut… war (Wutanfälle, Rumgeschreie, das volle Programm, 24/7. Sorry Mom, sorry Dad.), wurde mir eingetrichtert wie schlecht es ist, so viel rumzuschreien. Und deswegen habe ich es mir abgewöhnt. Als ich vor einigen Jahren auf einem Konzert mitbrüllen wollte, stellte ich fest: Ich kann nicht mehr schreien. Ich kann zwar nach wie vor extrem laut sprechen, aber so richtig AAAAAAAAAAAAAAHHH mäßig schreien… das kann ich gar nicht mehr, da bricht meine Stimme ab. Dabei wäre es so befreiend, manchmal einfach nur alles rauszubrüllen. Und deswegen singe und schreie ich wieder viel öfter Songs mit (wenn keiner hinhört versteht sich). Singen macht glücklich (zumindest denjenigen, der singt). Das merke ich bei jeder Zeile.

Wieso schenken wir kleinen Unglücken und Missgeschicken so viel Aufmerksamkeit, den kleinen Glücksmomenten aber fast gar keine?

Ich will mich nicht mehr von Kleinigkeiten so runterziehen lassen. Früher wäre ich, wenn in der früh zB ein Fleck aufs Oberteil gekommen wäre, den ganzen Tag deswegen angepisst deswegen. Heute ärgere ich mich, ziehe mich um und vergesse das Ganze. Und das, meine Lieben, ist für mich ein so enormer Fortschritt, dass ich ihn euch gar nicht beschreiben kann.

Neulich ist etwas passiert: Ich hatte einen wirklich tollen Start in den Tag, war super glücklich und motiviert. Doch dann traf ich unerwartet auf eine Person aus meiner Vergangenheit und besagte Person sorgte mit wenigen Sätzen dafür, dass ich mich – genau wie früher – minderwertig fühlte. Ich dachte zum ersten Mal seit Wochen „Oh scheiße! Ich bin überhaupt nicht geschminkt!“ und all solche vollkommen irrelevaten Sachen. Zwar fühlte ich mich deutlich besser als früher, war danach aber so unsicher wie noch vor Jahren. Ich hatte das Gefühl mit einem einzigen Tritt wieder an den Abgrund gebracht worden zu sein, den ich seit Ewigkeiten mit unfassbar viel Mühe versuche hinter mir zu lassen. Es brauchte in diesem Moment nicht mehr viel, um mich in den Abgrund fallen zu lassen.
Und dann kam auch noch eine frustrierende Nachricht. Doch anstatt in den Abgrund zu fallen, machte etwas in mir Klick. ICH WILL BESSER SEIN. Ich will das alles nicht, ich will mich nicht so fühlen, ich werde mich nie wieder so fühlen. Ich werde es allen zeigen, vor allem mir selbst. Ich werde meine Ziele erreichen, egal welche und egal wie hoch sie gesteckt sind. Ich werde mich nicht mehr unterkriegen und niedermachen lassen. Ich bin stärker als meine Vergangenheit und alle Personen in ihr. Ich bin stärker als jede Niederlage. Ich bin eine Kämpferin. Ich.werde.nicht.aufgeben.

I am more than this.

Und da war er. Der Moment des Glücks, den ich fassen konnte. Ich drehte die Musik auf und tanzte durchs Zimmer. Mit einem Mal war die Überforderung, die mir der Mix aus Blog, YouTube, Uni, Buchprojekt, anderen Projekten und Privatem seit Wochen immer wieder beschert hatte, wie weggeblasen.

ICH SCHAFFE DAS.

Das war kein Mantra mehr, kein motivierender Spruch. Der Moment des Glück hatte es zu einer Tatsache gemacht. Egal wie stressig und hart es werden wird: Ich schaffe das.

Und nein, ich möchte mich nicht bei dieser Person – oder irgendwem anderen – dafür bedanken, dass sie dieses KLICK ausgelöst haben. Die einzige Person, die meinen Dank verdient, bin ich selbst. Denn ICH bestimme über mein Leben und ICH kämpfe mich aus Abgründen, in die mich andere hineinschleudern. ICH habe hart an mir gearbeitet und bin bereit für mein Glück zu kämpfen.

Der Moment des Glücks hat mir klargemacht: Ich bin meinem Ziel von Projekt 2016 ganz nah. Ich darf nur nicht aufhören zu rennen, nicht aufhören zu kämpfen.

Ich werde die kleinen und großen Momente des Glücks zelebrieren und sie mir nicht von unwichtigen Nebensächlichkeiten kaputt machen lassen. Natürlich werde ich auch schwache Momente haben – aber wo keine Schwäche, da keine Stärke. Ich kann auch die schlimmen Momente überstehen. Ich kann das.

Jeden Tag aufs Neue.

Ein kleiner Trick, den ich anwende, ist: Nicht zu viel Negativität im Internet posten. Klar, man darf auf dem Blog und Twitter und Co auch mal seinen Frust rauslassen, aber in Maßen. Die anderen können auch nichts dafür und man zieht sie damit nur mit runter. Ich versuche zB jeden Morgen, selbst wenn er für mich selbst scheiße ist, einen positiven Tweet zu senden. Das motiviert auch mich. Und vielleicht auch andere.

Ich möchte mein Glück irgendwie teilen. Denn ich hasse es, wenn man sich immer nur auskotzt, die freudigen Ereignisse aber für sich behält. Ich weiß nicht, ob meine Blogposts irgendetwas bewirken. Ich weiß nicht ob meine positiven Guten Morgen Tweets was bewirken.

Aber ich will es zumindest versuchen.

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6 Kommentare

  • Antworten sarahsuperwoman 25. Juli 2015 um 17:29

    Und man weiß nicht, ob sie etwas bewirken, wenn keiner kommentiert. Richtig? :)
    Du hast wirklich enorm viel geschafft und das find ich toll. Ich weiß nicht genau wie du vorher warst, denn ich kannte dich da noch nicht so richtig wie ich dich jetzt in einigen Punkten besser „kenne“ :D Mich motiviert es jeden Tag um einiges mehr, wenn ich sehe, dass du auf Twitter einen „Guten Morgen-Tweet“ postest :) Ich freue mich darüber, dass wir uns beide so gut verstehen.
    Übrigens der Gedanke daran, dass ich jemanden aus meiner Vergangenheit an einigen Orten treffen könnte, habe ich bis heute auch noch. Und dann mach ich mir Gedanken darüber wie ich gerade aussehe.. D: Sowas ist ätzend und drängt einen erst recht wieder in die Ecke, in die man eigentlich gar nicht hin wollte. Ärgerlich, aber du hast es gut da raus geschafft :)
    Ich sollte mir in einigen Fällen echt ein Beispiel an dir nehmen und lieber positiver sein. Manche Menschen verstehen nicht warum ich nicht mal wütend sein kann oder sauer auf jemanden.. aber bei mir verschwinden diese Gefühle, wenn ich sie ausspreche. Wenn ich darüber rede, dann ist das so als ob ich laut schreie.. laut lache. Ich hab eine ganze Weile mein Lachen an Menschen festgemacht. Ich habe geheult vor lachen, wenn es diese eine Person war, mit der ich redete. Keine Ahnung was ich damals gemacht habe als ich diese Person verloren habe.
    Irgendwann sollten wir zusammen mal richtig laut schreiend singen :D Das macht nämlich riesigen Spaß! :]

    Fühl dich gedrückt und auch ich sage dir: DU. SCHAFFST. DAS.
    Ich glaube an dich genauso wie ich an mich glaube :) ♥

    Liebe Grüße,
    deine Sarah

    • Antworten Tasmetu 27. Juli 2015 um 13:29

      Danke danke danke :)

      Ich war vorher einfach viel öfter angepisst und v.a. traurig – das hat jemand der mich nicht gut kannte vielleicht gar nicht so mitbekommen aber mir ging es eben ziemlich schlecht. Aber das wollte ich eben einfach nicht mehr und darauf basiert jetzt diese gesamte Entwicklung :)
      Mir hilft schreiben sehr viel :)
      Ich wünsche dir viel Erfolg beim positiveren Denken <3

  • Antworten Mitternacht 25. Oktober 2015 um 0:23

    Liebe Tasmetu,
    du hast es definitiv geschafft, denke ich. Ich habe gerade ein Video über ungewöhnliche Bücher von dir angeschaut und du strahlst dort so eine Fröhlichkeit und Mitteilungsfreudigkeit aus, das ist unglaublich. Du versprühst Fröhlichkeit, wenn man das so sagen kann. Außerdem motivierst du mich. Ich bin und war zwar nie wirklich in so einer Krise wie du vielleicht, aber ich denke viel nach, vielleicht zu viel über die Zukunft und ich erwarte zu viel von mir. Ich wäre gerne viel entspannter wie die anderen in meinem Umkreis, aber wenn ich mich dann hinsetze, dann sagt eine Stimme in meinem, du musst noch dies und das machen und dadurch mache ich dann gar nichts und komme im Moment nicht zum Lesen. Ich kann mich aber auch nicht einfach hinsetzen und z.B. mein NaNo-Projekt plotten, was ich so dringend machen müsste. Ich denke Drauflos schreiben würde mir auch helfen, aber ich finde nicht die richtigen Worte. Vielleicht ist es auch mein innerer Kritiker, aber irgendwas blockiert mich. Musik ist natürlich toll. Man ist immer fröhlich wenn man bestimmte Lieder hört. Und ich weiß nicht, wieso ich dir das alles erzähle, ich habe einfach jemanden gebraucht, dem ich das erzählen kann, wenn auch nur hier. Entschuldige dafür :) Eigentlich wollte ich nur sagen, dass man sich bei dir gar nicht vorstellen kann, dass du immer so miesgelaunt sein musstest, weil du so viel Fröhlichkeit ausstrahlst.
    Liebe Grüße
    Mitternacht von der Schreibnacht :)

    • Antworten Tasmetu 25. Oktober 2015 um 20:24

      Liebe Mitternacht,

      danke dir für deinen Kommentar. :) Es ist schön, das zu lesen und es gibt auch mir Hoffnung und Mut und zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht.
      Es hat mich echt berührt, dass du so offen und direkt schreibst was dich bewegt und umso mehr freut es mich, wenn ich dich irgendwie motivieren konnte. :)
      Ich drücke dir für deinen weiteren Weg alle Daumen die ich finden kann :D

      Liebe Grüße
      Tasmin

  • Antworten Cora 26. November 2015 um 10:15

    Liebe Tasmin,
    ich habe deinen Blog und YouTube-Kanal erst vor gut einer Stunde gefunden, und bin jetzt schon so froh darüber. Deinen Kanal habe ich abonniert, ohne mir vorher ein Video anzuschauen, einfach weil du auf deinem Profilbild so fröhlich, positiv und sympathisch aussiehst. Über dein Projekt-2016-Video bin ich nun auf diesen Post gestoßen und möchte dir danken, dass du so wundervolle Worte findest, die auf irgendeine Weise zu mir sprechen. Ich bin ein Mensch, der sich jede Kleinigkeit zu Herzen nimmt und sich davon negativ beeinflussen lässt. Das ist Teil eines psychischen Problems, an dem ich seit ein Paar Monaten endlich arbeite. Doch es ist so, so schwer. Ich habe oft das Gefühl, ich bin wie ein Magnet, der neben meinen eigenen Problemen und Ängsten auch noch die meines Umfelds anzieht, für die ich mich verantwortlich fühle, und die mich überfordern. Und so oft habe ich mir einen solchen Moment des Glücks, wie du ihn beschreibst, gewünscht, einen Schalter, der sich umlegt, sodass ich mich angesichts der Schwierigkeiten, die das Leben bietet, nicht verkriechen, sondern sie mutig angehen möchte. Ich hatte die Hoffnung verloren, dass es so etwas geben kann, aber du hast mir gezeigt, dass es möglich ist – und jetzt habe ich wieder neuen Mut gefasst, dass auch ich diese Negativität hinter mir lassen kann. Ich bin gerade dabei einen Blog zu „gründen“ (nennt man das so? Jedenfalls kämpfe ich gerade noch etwas mit dem Design…Perfektionismus lässt grüßen :P) und habe mir fest vorgenommen, ihn so gut es geht frei von Negativität zu lassen.

    Viele liebe Grüße,
    Cora

    • Antworten Tasmetu 26. November 2015 um 20:14

      Liebe Cora,

      beim Lesen deines Kommentars hatten ich tatsächlich ein Wasser in den Augen, weil er mich so glücklich gemacht hat. Ich kann es gar nicht fassen, dass ich diesen Einfluss auf jemanden ahaben kann, aber da der Einfluss positiv ist bin ich gerade einfach nur mehr als glücklich.
      Es wird auch jetzt immer wieder Höhen und Tiefen geben, vielleicht wird die Tiefe auch irgendwann bodenlos und dunkel und schwarz sein, aber jetzt weiß ich, dass es Licht gibt. Und dass ich es erreichen kann, auch wenn der Weg dorthin höllisch hart sein kann.
      Ich wünsche dir alles Glück der Welt für deinen Weg. Du kannst es schaffen!

      Fühl dich umarmt :)
      Tasmin

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