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Die Stadt der schweigenden Berge | Rezension

24. Juni 2015,2 Comments
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Sie hätte glücklich sein müssen, aber wer Angst um seinen Verstand hatte, fand selten Raum für Glück.

 

Die Stadt der schweigenden Berge

Carmen Lobato

Verlag: Knaur Droemer Verlag

Seiten: 570 | Ausgabe: 2015

ISBN: 978-3-426-51455-9

Zu kaufen bei Amazon* oder im Buchladen nebenan :)

 

Die Autorin:

Carmen Lobato ist Romanistin und Dozentin. Sie liebt es zu Reisen und das Schicksal der Armenier, so wie das Hethiterreich, liegen ihr besonders am Herzen. Für ihre Bücher recherchiert sie viel, auch in diese Richtung.

Die Story:

1930: Armana, eine angehende Archäologin, ist besessen von Hattusa, der ehemaligen Hauptstadt des vergessenen Hethiter Reiches. Als ihr Vater eine Reise dorthin verhindern will, bricht sie mit ihm und reist mit ihrem Verlobten Paul und ihren Taufpaten Merten nach Istanbul um von dort aus nach Hattusa zu gelangen. Doch dort trifft sie auf ein unerwartet vertrautes Gesicht.

Meine Meinung:

Auf den ersten 100 Seiten war ich mir sicher, dass dieses Buch 5 Herzen von mir bekommen würde. Es hatte alles, was ich an solch einem Roman schätze. Es war gut recherchiert, schön geschrieben, hatte einen starken Frauencharakter, der archäologische Hintergrund war anspruchvoll, die Liebesgeschichte nicht kitschig und es lag ein mysteriöses Geheimnis in der Luft.
Doch spätestens nach circa 250 Seiten fing Armana an, mich zu nerven. Eigentlich fingen alle an mich zu nerven. Denn plötzlich stand viel weniger der archäologische Aspekt im Vordergrund, sondern eine plötzlich verkitschte Liebe. Armana wurde binnen kürzester Zeit von einer taffen Frau zu dem Klischee, dass sie zuvor brechen wollte. Kaum hatte sie den „schönen Armenier“ für sich entdeckt wird sie zu einem naiven, verliebten, irrationalem und zickigen Dummchen, dass nur noch Sex und diesen Mann im Kopf hat. Vergessen sind die Pläne um ihre Archäologen Karriere oder ihre taffe Seite, stattdessen säuselt sie ihn mit 100000 Spitznamen aus der Geschichte voll – mal ehrlich: wenn jemand im realen Leben so reden würde (ja, auch 1930), würde ich diese Person vermutlich nur schräg ansehen können. Und sie heult. P-e-r-m-a-n-e-n-t. Und dabei behandelt sie ihren eigentlichen Verlobten auch noch ziemlich unfair, der allerdings wiederrum auch eine ziemlich unschöne Charakterentwicklung durchmacht und zum eifersüchtigen Vollidioten mutiert.
Und anstatt, dass Merten oder Arman oder irgendwer einfach mal Klartext redet, die Wahrheit sagt und damit das Ganze mal entwirren und vereinfachen würde, wird das Drama immer weiter zugespitzt. Es gab einen Punkt, da hätte ich das Buch gerne abgebrochen, weil die Erlösung durch jemanden, der entweder mal die Wahrheit sagt oder mal eine Entscheidung fällt (zB hätte Armana mal mit Paul reden können), einfach nicht kam. Stattdessen war das Verhalten schlimmer als ein Streit zwischen Kleinkindern um eine Schaufel.
Auch das gut recherchierte Schicksal der Armenier und das vergessene Reich der Hetither geraten bei dem ganzen Beziehungsdreieck-Drama vollkommen in den Hintergrund. Das hat es mir persönlich sehr versaut und das finde ich unendlich schade – es hatte doch so gut angefangen.
Ich glaube, wenn das Buch 200 Seiten kürzer gewesen wäre, hätte es mir besser gefallen und vielleicht hätte es dann noch 4 Herzen von mir bekommen. So aber leider nicht.
Trotzdem hat mich das Buch viel gelehrt – ich wusste trotz einer Vorlesung zu Vorderasiatischen Großreichen (vor einem Jahr) so gut wie nichts über die Hethiter und auch das Schicksal der Armenier war mir persönlich fast komplett unbekannt. Ich bin froh, dass ich dieses Buch gelesen und somit gravierende Wissenlücken – zumindest teilweise – schließen konnte.

Das erste Drittel großartig, baut danach jedoch stark ab

Anmerkung: Das Buch habe ich vom Droemer Knaur Verlag erhalten – vielen vielen Dank :)

Nächstes Buch: Love Letters To The Dead – Ava Dellaira

3 Stars

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2 Kommentare

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