Kolumnen / Autorenleben Lifestyle

Freundschaft | #3 | Akzeptanz

17. April 2015,10 Comments
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Seit ich meinen Blog und meinen YouTube Channel habe, fällt es mir besonders auf: Nicht alle Menschen, die ich als meine Freunde bezeichne, akzeptieren mich so wie ich bin. Dabei sollte das der Grundstein jeder Freundschaft sein.

Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich mich in den letzten Monaten für mein Verhalten im Internet rechtfertigen musste: Wieso postest du so viel, hast aber nicht unbegrenz viel Zeit für Freunde? Wieso kannst du so viele Romane lesen, obwohl du doch was für die Uni tun solltest? Wieso redest du über Produkte, für die du nicht einmal bezahlt wirst? Wieso zeigst du dich selbst im Internet?

Natürlich gilt das nicht nur für das Bloggen oder Vloggen. Solche skeptischen Fragen kommen bei allen Lebensbereichen, den meine Freunde mitbekommen. Welche Kleidung ich trage, welche Entscheidungen ich treffe, mit wem ich Zeit verbringe, welche Karriere ich einschlagen will und wie ich das angehe und noch vieles mehr.
Und es ist auch nicht das erste Mal, dass ich das Gefühl bekomme, nicht so akzeptiert zu werden wie ich bin. Im Gegenteil. Früher, als ich noch viel in der Gothic Szene unterwegs war, war es viel schlimmer. Und es hat mich immer belastet – eigentlich belastet es mich bis heute. Was sagt denn mein Musikgeschmack oder der schwarze Kajal über mich und meinen Charakter aus? Überhaupt nichts.
Viele der oben genannten Fragen sind vollkommen legitim, denn sie kommen aus reinem Interesse. Aber manchmal merkt man am Unterton, dass egal was ich antworte: meine Entscheidung oder Handlung wird nicht akzeptiert werden. Denn die andere Person hätte es nicht (so) gemacht. Demnach ist es falsch.
Sobald ich merke, dass ich mich permanent rechtfertigen muss, ziehe ich mich zurück und erzähle entweder gar nichts mehr oder reagiere zickig.
Denn ich will mich vor meinen Freunden nicht rechtfertigen. Ich will ihnen etwas erklären, etwas erzählen, aber ich möchte mich nicht rechtfertigen. Ich möchte, dass sie mich so akzeptieren wie ich bin. Natürlich dürfen sie eine andere Meinung haben und sie mir auch sagen, natürlich müssen sie nicht zu allem Ja und Amen sagen, aber trotzdem möchte ich das Gefühl haben, am Ende akzeptiert zu werden. Dass meine Freunde, auch wenn ich einen Fehler mache, hinter mir stehen und mich nicht wie eine heiße Kartoffel fallen lassen und sagen „Ich habe doch gesagt, dass es eine schlechte Idee ist!“

Ich möchte, dass meine Freunde nicht wegen meiner Kleidung mit mir befreundet sind. Oder wegen meinem Studiengang. Oder weil ich das tue, was sie für richtig halten. Ich möchte, dass sie mit mir befreundet sind, weil ich meinen eigenen Weg gehe. Und weil ich eine gute Freundin bin. Alles andere ist unwichtig.

Wie seht ihr das? Wie reagiert ihr, wenn ihr euch permanent rechtfertigen müsst?

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10 Kommentare

  • Antworten Dodo 17. April 2015 um 9:17

    Toller Post!
    Ich finde Akzeptanz in Freundschaften auch super wichtig und wenn man sie nicht bekommt finde ich es auch okay, Freunde loszulassen. Ist nicht immer ganz einfach, aber manchmal ist es das bEste was man tun kann!
    Viele Grüße Dodo

  • Antworten Stephie 17. April 2015 um 11:56

    Hallo,

    Ein toller Post: Du sprichst mir aus der Seele! In letzter Zeit habe ich ganz besonders das Gefühl mich immer wieder wegen meinem Studiengang (Germanistik) rechtfertigen zu müssen. Ich kann es ja verstehen wenn mich Menschen aus Interesse danach fragen, aber bei vielen kann ich auch dieses unterschwellige Unverständnis spüren. Das finde ich schade. Dabei geht es mir ähnlich, dass ich seltener drüber spreche, weil ich keine Lust habe mich über meine Entscheidung rechtfertigen zu müssen. Eigentlich wirklich schade…

    Du bist nicht allein damit;)
    Ganz liebe Grüße, Stephie:)

    • Antworten Tasmetu 17. April 2015 um 17:02

      Danke :) Ja, mein Studium war auch immer so ein Thema -.-
      Danke für den Kommentar <3

  • Antworten Sandra 17. April 2015 um 13:54

    Liebe Tasmin,

    ein schöner, aber auch sehr nachdenklicher Artikel. Ich kann dich gut verstehen. Freunde dürfen einander kritisieren, sie dürfen Ratschläge geben, sie helfen, lachen und weinen gemeinsam. Doch bei all dem ist es wichtig, dass man das Gegenüber akzeptiert, respektiert und nicht verbiegen möchte. Es gibt keinen Grund in einer echten, wahren Freundschaft, sich rechtfertigen zu müssen. Du musst dich nur vor dir selbst rechtfertigen.

    Ich musste ein wenig schlucken, als ich deinen Artikel las. Denn bei mir ist auch gerade wieder ein Zeitpunkt gekommen, an dem ich nachdenke. Über Vergangenes, über Erlebtes, Trauriges und Schönes. Manche Menschen begleiten dich viele Jahre, andere gehen nur einen kurzen Weg an deiner Seite.

    Du siehst, du bist nicht alleine mit diesen Erlebnissen.

    Alles Liebe
    Sandra

    • Antworten Tasmetu 17. April 2015 um 17:04

      Ja, wie gesagt gibts von diesem Freundschaftsthema ja mehrere Posts (jeden Freitag um genau zu sein^^), weil ich eben sehr viel darüber nachdenke seit einige Zeit.

      Du bist auch nicht allein :) Fühl dich umarmt!
      Liebe Grüße

  • Antworten Windsprite 21. April 2015 um 22:33

    Mehr kann man kaum noch hinzufügen :-)

    Was sagt ein Musikgeschmack oder Schminke über den Charakter eines Menschen? Genau! Das trifft es voll.

    Ich muss aber noch hinzufügen, dass ich selten mit Leuten befreundet bin, gegenüber denen ich mich rechtfertigen muss. Meine seltsamen Verhaltensweisen schrecken weniger tolerante Menschen von vornherein ab…

    • Antworten Moni 9. Mai 2015 um 8:53

      Ich finde den Post auch gut.
      Aber die Akzeptanz oder Nichtakzeptanz hört ja nicht bei Aussehen und Studienfach auf. Für mich ist es auch immer wichtig, ob jemand meinen Glauben akzeptieren kann. Das ist in unserer Gesellschaft leider viel zu oft ein Kriterium für blöde Nachfragen wie „Warum stehst du freiwillig an einem Sonntag so früh auf, um dann in die KIRCHE zu gehen???“ Ich meine, ich will ja niemanden bekehren, warum haben dann Atheisten diesen Anspruch bei mir?

      • Antworten Windsprite 9. Mai 2015 um 13:59

        Habe ich irgendetwas gegen Kirchgänger gesagt? Ich bin ja selber katholisch… und ich persönlich kann es auch nicht verstehen, warum manche Atheisten am liebsten den Menschen ihren Glauben nehmen würden. Aber ich glaube auch, dass es in jeder Hinsicht, egal ob religiös, um das Aussehen oder schlichtes Verhalten her immer Menschen gibt, die eine festgefahrene Idealvorstellung im Kopf haben, die sie unbedingt umsetzen wollen, obwohl es eigentlich die Sache jedes einzelnen Menschen ist… Menschen, die meinen, es besser zu wissen, was gut für andere ist.

  • Antworten Freundschaft | #5 | Wertschätzung - Tasmetu 26. Mai 2015 um 12:42

    […] Es bedeutet lediglich Aufmerksamkeit. Das schon besprochene Zuhören spielt dabei eine wichtige Rolle. Natürlich auch die Akzeptanz. […]

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