Kolumnen / Autorenleben Lifestyle

Freundschaft | #2 | Zuhören

10. April 2015,4 Comments
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Im zweiten Teil meiner kleinen Serie möchte ich mich dem Zuhören widmen.

Es ist vielleicht nicht das erste, an was man denkt, wenn man über eine gute Freundschaft spricht – doch es ist sehr wichtig. Es gibt nämlich verschiedene Arten von Zuhören.

Ich höre selbst gerne zu, ich höre mir gerne Probleme an, weil ich weiß wie wichtig es ist, sie sich von der Seele zu reden. Außerdem mag ich Geschichten – und die Leben meiner Freunde sind für mich die spannendsten und besten Geschichten. Ich liebe es, zwischen den Zeilen etwas rauszuhören, was nicht direkt gesagt aber doch verstanden werden will. Und es ist ein schönes Gefühl, das Gesagte in das Gesamtbild über eine Person einzufügen.

Natürlich können sowohl direkt als auch indirekt Dinge gesagt werden, die schlecht für eine Freundschaft sind, aber darüber möchte ich hier heute gar nicht sprechen.

Kommunikation ist wichtig (dazu komme ich demnächst noch einmal ausführlich in einem weiteren Freundschafts Post) aber zur Kommunikation gehört eben nicht nur das Ehrlich sein, das Sprechen und das Reagieren – sondern eben auch das Zuhören.

Und zwar nicht nur still zuhören, sondern auch aktives Zuhören. Nachfragen. Merken, wie man reagieren muss – möchte der andere, dass man unterbricht und nachfragt oder möchte er einfach durchgehend reden – möchte er fluchen und meint es nicht so oder überschreitet er gerade eine Grenze?

Ich behaupte nicht, perfekt zuzuhören. Manchmal bin ich auch genervt, weil ich eine Geschichte vielleicht schon kenne oder die Ausführung ewig dauert, manchmal habe ich selbst ein so großes Mitteilungsbedürfnis, dass ich die andere Person immer wieder unterbrechen muss. Manchmal nehme ich Sachen nicht ernst oder schweife gedanklich ab.

Doch in den letzten Jahren hat sich das bei mir deutlich gebessert – dadurch, dass ich gelernt habe wer meine richtigen Freunde sind, ist es leichter geworden. Denn diesen Menschen MÖCHTE ich unbedingt zuhören, selbst wenn ich an dem Tag zerstreut bin oder eigentlich lieber selber erzählen möchte oder die Geschichte schon kenne. Das bewahrt mich nicht davor, die oben genannten „Fehler“ zu machen, aber sie werden weniger.

Und sie lassen mich darüber nachdenken, wie meine Vorstellung vom guten Zuhören aussehen. Und wie oft ich genau in den Momenten in denen ich jemanden gebraucht habe der mir wirklich ZUHÖRT gemerkt habe, das eine Freundschaft nicht mehr lange halten kann. Weil die andere Person nicht jedes Wort aufnimmt, vielleicht den Inhalt, aber nicht das nicht-so-Offensichtliche oder die Bedeutung des Ganzen versteht. Weil es sie nicht interessiert, weil sie mich nicht mehr so gut kennen wie ich dachte, weil sie nicht mehr nachfragen um es zu verstehen.

Und das macht mich traurig. Klar, Freunde können sich schnell auseinander entwickeln und dabei das Wort Freundschaft allein in dem neu entstandenen leeren Raum zwischen sich zurücklassen. Das passiert, so ist das Leben nunmal. Und klar gibt es Tage wo Zuhören einfach schwierig  ist – auch bei der besten Freundin / dem besten Freund. Und klar, auch ich erwische mich dabei wie ich bei brüchigen Freundschaften nicht mehr richtig zuhöre. Trotzdem macht es einen traurig: Ist man so uninteressant? Ist es dem anderen so egal? Sollte man lieber nichts mehr erzählen?

Den richtigen Ton zu treffen ist schwer, die richtigen Worte zu finden sowieso, richtig Reagieren mehr Glückssache als alles andere. Dabei ist es in erster Linie viel wichtiger überhaupt Worte zu finden und überhaupt zu reagieren. Dicht gefolgt von der Mühe, die man sich gibt. Und bei den Menschen, die wir unsere FREUNDE nennen, sollten wir uns Mühe geben. Viel Mühe.

Wie hört ihr zu? Findet ihr, es gibt eine richtige Art zuzuhören? Wie wichtig ist es euch, dass man euch zuhört?

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4 Kommentare

  • Antworten Dodo 10. April 2015 um 10:03

    Ich finde auch das Zuhören das A und O ist. Aber manche Menschen sind so verdammt uninteressant….

  • Antworten Hekabe 10. April 2015 um 11:56

    Wieder ein sehr schöner Post, den du da fabriziert hast :)
    Und du hast auch wieder total recht. Zuhören und zuhören können gehört für mich auch zu den Dingen, ohne die es einfach nicht geht. Und wenn es nur ein nerdiger Anfall über eine Serie oder ein Buch ist. ;)
    lg
    Hekabe

    • Antworten Tasmetu 13. April 2015 um 19:59

      Vielen vielen Dank :)
      Ja finde ich auch :)

  • Antworten Freundschaft #5 | Wertschätzung - Tasmetu 8. Mai 2015 um 8:54

    […] bedeutet lediglich Aufmerksamkeit. Das schon besprochene Zuhören spielt dabei eine wichtige Rolle. Natürlich auch die […]

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