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Die Straße der Geschichtenerzähler | Rezension

30. März 2015,1 Comment
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Einen Sultan oder Kaiser mochte man vielleicht verabscheuen, aber warum gleich alle Menschen hassen, die in dem Land dieser Herrscher geboren waren?

Die Straße der Geschichtenerzähler

Kamila Shamsie

Übersetzt von: Ulrike Thiesmeyer

Verlag: berlin Verlag

Seiten: 384 | Ausgabe: 2015

ISBN: 978-3-8270-7800-1

Zu kaufen bei Amazon* oder im Buchladen nebenan :)

 

Die Autorin:

Kamila Shamsie, 1973 geboren, lebt an zwei Orten: London und Karatschi (Pakistan). Zur Schule gegangen ist sie in Pakistan, ihren Bachelor in Creative Writing hat sie am Hamilton Collage gemacht. Sie schreibt nicht nur seit vielen Jahren erfolgreich Büchern, sondern auch regelmäßig für den Guardian

Die Story:

Vivian Rose Spencer will für ihren Vater beides sein: Tochter und Sohn. Und so reist sie schon in jungen Jahren zu einer Ausgrabung, als sie jedoch heimkehrt befindet sich ihre Heimat mitten im ersten Weltkrieg. Einige Jahre später entflieht sie diesem Leid und reist nach Peshawar.
Qayyum ist ein stolzer Soldat, doch als er verwundet wird, kehrt er nach Hause, nach Peshawar zurück – als vollkommen neuer Mann.
Die Wege der beiden kreuzen und verbinden sich.

Meine Meinung:

Dieses Buch ist nichts für ein kurzes, schnelles und leichtes Lesevergnügen zwischendurch. Denn die Liebesgeschichte, beziehungsweise die schicksalshafte Begegnung die im Klappentext angedeutet wird gibt es zwar – aber bei weitem nicht so im Mittelpunkt wie es sich vermuten lässt. Dieses Buch ist politisch, kritisch und vielschichtig. So sind zentrale Themen wie Archäologie, Unterschiede zwischen Kulturen, Kolonialherrschaft und der erste Weltkrieg und seine Leiden und Folgen so in die Geschichte eingewoben, dass sie ein großes Gewicht haben und doch die Charaktere nicht erdrücken. Meiner Meinung nach eine große Leistung.
Ich freute mich, dass ich einige Begriffe – vor allem im Bereich der Archäologie – kannte, da ich im ersten Studiensemester eine Vorlesung zur Geschichte Vorderasiens hatte. Aber sehr schnell wird klar: In diesem Buch steckt eine Recherche in so vielen Bereichen, dass es als Laie unmöglich ist alle Begriffe zuordnen zu können.
Bei den Charakteren war ich zwiegespalten. Mit Qayyum konnte ich irgendwie nicht soooo viel anfangen – die Kapitel über ihn empfand ich immer als etwas anstrengend, wahrscheinlich weil er selbst ein anstrengender und vom Leben gezeichneter Mensch ist. Die Kapitel von Viv vielen mir leichter und sie war mir in vielen Momenten sehr sympathisch – doch auch sie hatte ihre Schattenseiten. Geht es nämlich um das Thema Kolonialherrschaft ist sie oft arrogant, oberflächlich und respektlos. Manchmal hätte ich sie gerne fest geschüttelt, wenn sie sich mal wieder vollkommen daneben benimmt. Aber ich denke, diese Gradwanderung zwischen offene-intelligent- und-sympathische-Frau-von-Welt und Arrogante-und-ignorante-Kolonialherrin war gewollt. Nicht nur, dass sie so ein Kind ihrer Zeit wurde, sondern eben auch die Widersprüchlichkeiten deutlich werden.
Es ist sicherlich kein Buch für jedermann, aber dennoch sehr gelungen und ich empfehle es jedem weiter, der gerne einen anspruchsvolleren und/oder historischen Roman lesen möchte, in dem es nicht nur Archäologie geht, sondern auch um Krieg, Tod, Begegnungen, Frauenrechte, Unterschiede und Liebe.

Gelungen, aber anspruchsvoll IMG_0237

Anmerkung: Das Buch habe ich auf dem BookUpDE beim Piper Verlag vorab bekommen – vielen vielen Dank :)

Nächstes Buch: Zwölf Wasser (3) – E.L. Greiff

4 Stars

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1 Kommentar

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