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Ich, Prinzessin aus dem Hause Al Saud | Rezension

23. Januar 2015,3 Comments
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Ihre Geschichte vergrößerte meine Abscheu vor der saudischen Gesellschaft, in der Frauen, ja Mädchen, ganz gleich welcher Nationalität, so mißbraucht wurden.

Ich, Prinzessin aus dem Hause Al Saud

Ein Leben hinter tausend Schleiern

Anonym

Übersetzt von: Christa Broermann, Cornelia Stoll

Verlag: Goldmann

Seiten: 288 | Ausgabe: 1992

ISBN: 978-3-442-42421-4

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Die Autorin:

In diesem Fall gibt es keine wirklich Autorin, das Prinzessin „Sultana“ wie sie sich im Buch nennt, anonym bleibt. Die Geschichte aufgeschrieben und zur Veröffentlichung gebracht hat es Jean P. Sasson.

Die Story:

Das Buch ist eine autobiographische Erzählung, die anhand der Aufzeichnungen und Tagebücher von Prinzessin Sultana erstellt wurde. Es beschreibt ihren Alltag als Frau in Saudi-Arabien, erzählt aber auch die wahren Geschichten anderer Frauen aus dem Land.

Meine Meinung:

Normalerweise tippe ich meine Rezensionen in den ersten 24h, nachdem ich ein Buch gelesen habe. Bei diesem Buch habe ich mehrere Tage verstreichen lassen und finde auch jetzt nur sehr schwer Worte, für das, was ich gelesen habe. Das Buch stand schon Jahre im Regal und vermutlich wusste ich schon, warum ich mich so lange davor gedrückt habe: Es ist erschütternd. Das Buch ist mit einer Ehrlichkeit und einem rebellischen Nachdruck geschrieben, zollt aber dennoch Respekt vor ihrer Familie und dem Islam. Letzteres ist vor allem durch den Anhang und dem Satz auf der ersten Seite, der besagt, dass sie mit diesem Buch nichts gegen den Islam sagen möchte, betont. Der Glaube ist ihr wichtig und dennoch rebelliert sie: Gegen die Gesellschaft. Die männerdominierte Gesellschaft in Saudi-Arabien in der selbst sie, eine steinreiche Prinzessin, sich oft hilflos und falsch behandelt fühlt. Dabei hat sie im Vergleich zu einigen anderen Frauen und Mädchen, die wir im Verlaufe des Buches kennen lernen, noch ein ziemlich gutes und glückliches Leben. Besonders schockiert hat mich der Vorfall mit ihrem Bruder Ali und dem 8jährigen Mädchen. Nach dieser Stelle musste ich das Buch für eine ganze Woche bei Seite legen und etwas anderes lesen, weil mich diese Geschichte, und vor allem das Wissen, dass es dort kein Einzelfall war und nicht nur in diesem Land passiert, so angewidert und verschreckt haben.
Während ich las, musste ich immer wieder aufhören, um das Gelesene zu verarbeiten. Es ist schließlich nicht nur ein Roman – es ist eine wahre Geschichte. Das ist alles wirklich so passiert und geschieht sicherlich immernoch. Es war, als würde ich ihr Schicksal zwischen meinen Händen halten und darin herumblättern. Ich spürte die Enge, die Ungerechtigkeit und vor allem die Hilflosigkeit, denn auch ich kann nicht aktiv etwas gegen die schrecklichen Dinge, die dort und in anderen Teilen der Welt passieren, tun. Diese Hilflosigkeit wurde durch die Anschläge in Paris, die am selbsten Tag begannen, an dem ich auch das Buch auslas, nur noch mehr verstärkt und hat mich bis heute nicht losgelassen.
Aber ich konnte auch Sultanas Mut spüren. Ich liebe ihre rebellische Seele und habe mich ihr sehr verbunden gefühlt. Außerdem ist sie so unfassbar intelligent, so durchschaut viele Dinge deutlich tiefer, als die meisten Menschen. Und sie ist stark, denn sie hat die Größe und die Träume, etwas zu verändern. Ich bin mir sicher, dass sie es zu einem gewissen Teil auch geschafft hat und hoffe, dass ihr Erbe in Saudi-Arabien gedeiht und ihre Vision fortsetzt.

Es ist ein erschütterndes und aufrüttelndes Buch über eine starke Frau, deren Geschichte erzählt werden musste. So hart die Lektüre auch ist, man sollte sie gelesen haben.

Unfassbar

PS: Es gibt noch zwei Folgebücher, vielleicht werde ich diese auch noch lesen.

Nächstes Buch: Journeyman – Fabian Sixtus Körner

4 Stars

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3 Kommentare

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