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„Books are music“ | Interview with Matt Haig

26. November 2014,2 Comments

Note: This whole post has an english version – just scroll down the post. It is blue :)

Im Rahmen des Literaturfestes in München gab der aus der UK stammende Matt Haig gestern Abend eine kleine Lesung zu seinem Bestseller „Ich und die Menschen“ im Gasteig. Leider konnte ich bei der Lesung nicht dabei sein, aber dafür durfte ich ihn Nachmittags interviewen.
Ich muss sagen, dass ich vorher ganz schön nervös war: Ich empfinde das Buch als sehr wichtig, es ist wunderbar geschrieben und eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Außerdem beschäftigt sich Matt Haig viel mit Depressionen und seine Geschichte interessiert mich. Von dem Interview erfuhr ich erst am Tag zuvor, doch ich hätte keine schönere Nachricht kriegen können.

Ich wartete in einem der Büroräume des dtv Verlags auf ihn und als er in der Tür erschien waren seine ersten Worte „Du bist die von Twitter, richtig?“. Das Eis war also gebrochen, bevor es gefrieren konnte, denn es stimmte – wir hatten schon einige Male via Twitter Kontakt.
(Da das Interview auf Englisch geführt wurde und ich seine Aussagen ungern verfälschen möchte, entschuldigt bitte seltsame Übersetzungen)

Was denkst du über den Erfolg deines Buches „Ich und die Menschen“?

Als Autor möchtest du immer, dass deine Bücher viele Leser haben und sie gemocht werden aber du kannst es nie vorhersehen. Und dieses Buch war sehr persönlich, deswegen war der Erfolg gut. Ich war hatte anfänglich aus zwei Gründen Angst das Buch zu schreiben: 1. Es war Science Fiction und so etwas hatte ich noch nie geschrieben und 2. hatte es mit meinen Erfahrungen mit Depressionen zu tun. Das Buch handelt zwar nicht von Depressionen, aber die erste Idee dazu hatte ich, als ich depressiv war und ich hatte Angst, dass es mich dahin zurückwerfen würde. Und wenn die Leser es nicht gemocht hätten, hätte ich das bei diesem Buch sehr persönlich genommen. Es war also eine große Erleichterung, dass es erfolgreich war.

Wenn sich herausstellen würde, dass deine Frau von einem anderen Planeten kommen würde – wie Professor Martin aus „Ich und die Menschen“ – wie würdest du reagieren?

[lacht] Ich wäre überrascht. Aber ich glaube irgendwie an Aliens. Trotzdem wäre es sehr außergewöhnlich, wenn sich meine Frau als solches rausstellen würde. Außer man betrachtet es dahingehen, dass wir alle Aliens sind. Jedem anderen im Universum, einschließlich der Tierwelt der Erde, müssen wir sehr seltsam erscheinen.

Magst du es, zu reisen? Wo möchtest du unbedingt noch hin?

Ja! Ich war zum Beispiel noch nie in Asien oder der südlichen Hemisphere, es gibt so viele Orte, an denen ich noch nicht war. Aber ich habe schon im Ausland, in Spanien, gelebt und ich würde auch gerne wieder im Ausland leben. Vielleicht in Kalifornien. Das ist auch der beste Teil meines Jobs: Du kommst an Orte, die du sonst vielleicht nicht besucht hättest. Ich war dieses Jahr schon drei Mal in Deutschland, aber noch nie zuvor. Ich wollte Berlin und München besuchen, aber Städte wie Leipzig hätte ich definitiv nicht besucht.

Was ist dein Lieblingsort?

Ich bin jemand der oft umgezogen ist, hauptsächlich in England. Orte langweilen mich sehr schnell. Ich habe keinen richtigen Lieblingsort. Es ist auf keinen Fall Nottingham, wo ich aufgewachsen bin. Ich habe aber einige Traumorte, wie Kalifornien, aber ich denke sobald ich dort eine längere Zeit bin, finde ich es nicht mehr so toll.

Wenn du dich entscheiden müsstest: Musik oder Bücher?

Oh, das mag ich nicht. Aber ich würde defintiv sagen, dass Bücher Musik sind. Stille Musik. Sie machen im Endeffekt das Gleiche. Willy Nelson sagte „Entweder du schreibst einen Song oder du trittst mit deinem Fuß durch ein Fenster“ und ich denke, dass Songs und Bücher beide so sind, als würdest du durch ein Fenster treten.

Gibt es etwas, dass du gerne gewusst hättest als du jünger warst oder was du deinen Kindern mit auf den Weg geben würdest?

Das wichtigste, was man im Leben lernt, ist, dass sich die Zeit verändert. Wenn du jung bist sind 5 Jahre nicht das selbe wie wenn du älter bist. Deine Kinderheit wirkt wie ewig, aber alles was danach kommt geht sehr schnell. Schätze die Zeit, die du hast – sie ist ein Geschenk. Und die Dinge, über die du dir in deiner Jugend Sorgen machst werden in zehn Jahren unbedeutend erscheinen.

Gibt es etwas, dass du Menschen, die an Depressionen leiden, oder die jemandem helfen wollen, der an ihnen leidet, mit auf den Weg geben würdest?

Das, was ich an Depressionen am schwierigsten fand, war, dass es aussichtlos erscheint. Obwohl ich vermutlich eines Tages wieder Depressionen kriege, denke ich, dass dein Geist wie eine Art Wetter ist – es kann Winter und sehr kalt werden. Aber allein der Gedanke, dass es einen Sommer gibt, macht es einfacher, den Winter zu überstehen. Außerdem sollte man Emily Dickinson lesen.

Du hast auch auf YouTube über deine Depressionen gesprochen. Was denkst du über die neue YouTube Kultur?

Es ist gut und schlecht. Ich sehe zu den Menschen auf, die Videos produzieren, gute Videos und eine Menge davon. Ich selbst habe drei oder vier Videos gemacht und es hat Ewigkeiten gedauert. Manchmal ist es etwas nervig, weil alle immer positiv sind und man sich gar nicht traut auch einmal etwas negatives über irgendwas zu sagen. Aber so allgemein ist es eine gute Sache.

Du bist sehr aktiv auf Twitter. Kannst du eine Geschichte mit nur 140 Zeichen schreiben?

Das habe ich schon oft versucht. Einmal habe ich ich es gemacht – es ist eine Liebesgeschichte in der Form einer Liste auf Twitter.

Kannst du etwas zu deinem neuen Buch „Reasons To Stay Alive“ sagen (erscheint 2015)?

Es war definitiv das härteste Buch, das ich je geschrieben habe, denn es ist mein erstes Nicht-fiktives Buch. Ich habe davor schon 10 Bücher geschrieben, aber es fühlt sich an wie ein erstes Buch, denn es geht um MICH. Also, es geht nicht nur um mich, es geht auch um Depressionen allgemein, aber 50% davon sind autobiographisch und 50% davon ist eine Studie zum Thema Depression und meine Meinung zu dem Thema. Es war schwer über mich und mein Leben und reale Personen aus meinem Leben zu schreiben. Außerdem hatte ich Angst, dass es mich zurück zur Depression bringt, aber das ist nicht passiert. Und ich habe es innerhalb von nur drei oder vier Wochen geschrieben, also in einer sehr kurzen Zeit. Das war die beste Schreiberfahrung, die ich je hatte und ich frage mich, warum ich das Buch nicht schon vorher geschrieben habe. Bisher hat es schon gutes Feedback von denjenigen bekommen, die es gelesen haben und ich bin sehr aufgeregt. Vor den ganzen anstehenden Events bin ich allerdings nervös, es wird wie eine Therapie sein. Ich weiß, es klingt klischeehaft, aber es fühlt sich so an, als wäre es das Buch, zu dem ich bestimmt wurde es zu schreiben und das fühlt sich gut an.

 

Das war mein Interview mit Matt Haig und ich bin sehr sehr froh darüber, dass ich es machen durfte. Wir haben uns nach dem Interview noch über alles mögliche unterhalten und es hätte noch so viel gegeben, was ich fragen und über was ich mit ihm reden wollte, aber die Zeit war knapp. Danke an den dtv Verlag, der das möglich gemacht hat und Matt Haig für das Interview. Ich hoffe, wir können uns eines Tages wieder sehen und unterhalten. :)

 Rezension zu „Ich und die Menschen“IMG_1973IMG_9341DSC_9275


Right now, the „Literaturfest“ is celebrated in Munich – some weeks full of events that celebrate literature, books and reading. Yesterday evening Matt Haig visited Munich for a reading session – I wasn’t able to go there but I had the honour of interviewing him before.
To be honest, I was really nervous. I loved the book, it is so important and well written and it’s one of my all time favourite books. And Matt Haig talks a lot about depression and I’m very interested in his story.

I had to wait in one of the office rooms of dtv and when he arrived his first words where „You’re the one from twitter, right?“ Yes, we texted on twitter already, so he broke the ice before it could even freeze and I wasn’t so nervous anymore.

How do you feel about the success of „The Humans“?

As a writer you always want books to get a lot of readers and you want people to like them but you never know. And with this book it felt quite personal so it was good for that reason. I’ve been scared to write it for two reasons: I’ve been scared because it was science fiction and I never written that before and I was also scared because it was about my experiences with depression and stuff like that. The book is not about depression, but the first idea I ever had for it was when I was depressed and I was scared I would take me back to that. And if people didn’t like it, I would took this one more personal. So it felt like a major relief that people liked it.

If your wife would turn out as someone from another planet, like professor Martin from „The Humans“, how would you react?

[laughing] I personally would be suprised by that. But I kind of believe in aliens, but I still think it would be kind of remarkable if my wife turned out to be one. Except in the sense that we’re all aliens. To everyone else in the universe, including the animals on our planet, we must seem very strange.

Do you like to travel and where do you want to go in your life?

Yes! I have never been to Asia or the southern hemisphere, I have never been to so many places, but I used to live abroad, I used to live in Spain and I would love to live abroad again. I don’t know, California or something. But this is the best bit of my job: Having to go to places you wouldn’t necessarily go to. I’ve been to Germany three times this year and never before – I wanted to go Berlin and Munich. But I definitly wouldn’t have gone to Leipzig or cities like that.

Where is your favourite place in the world? (Country, home, with someone)

I am someone who has moved around a lot, like, in England. So I get bored of places very easily. I don’t really have a favourite place. Certainly not where I grew up [Nottingham]. I have dream places, like California, but probably when I actually spent a lot of time there, I won’t like it.

If you had to decide: Music or books? Which one would you choose?

I don’t like that choice. But I would say clearly, that books are music. Silent music. So they kind of do the same thing. Willy Nelson said „You either write a song or you kick your foot trough a window“ and I think songs and books are both sort of like kicking your foot through a window.

Is there something you wish you knew when you were younger or you want your kids to know when they grow up?

The main thing you learn in life is that time changes. When you’re young 5 years are not the same as 5 years when you’re older. The main thing is to really understand that. In a way childhood is forever but then everthing after childhood happens very quickly. Appreciate every single day – it’s a gift. And the thing you worry about when you’re younger will always seem trivial ten years later.

Do you have any advice for everyone who suffers from depression or who wants to help a friend/partner/family member who suffers from it?

The main thing that I found hard about depression was, that it makes you feel like there’s no way out. Eventhough I probably will get depression again at some point I think just knowing that minds are sort of like weather, you know, it can feel very very cold and winter, but just knowing that summer does excist makes it easier to go through the winter. Read Emily Dickison as well.

You talked about depression on YouTube as well. What do you think about the whole new YouTube culture?

You know, it is good and bad. I really admire people who can make these videos and make them good and do a lot of them. I made like three or four videos and it takes me ages. Sometimes it can be a bit annoying because it is always, always so positive so you get scared to be negative about anything. But in general it is a good thing.

You’re on twitter a lot. Could you write a story in just 140 letters?

I tried a lot of times. And I did one, actually. It is a love story, it was basicly a list on twitter.

Can you tell me something about your new book „Reasons To Stay Alive“ (out 2015)?

This was actually the hardest book I’ve ever written because it is my first non-fiction. I have written 10 books before this one but it feels like a first book because it is about ME. It is not just about me, it is about depression in general, but 50% of it is autobiographical and 50% of it is a study about depression and sort of my philosophy on depression and anxiety and stuff. And so it was hard, because I write about my life and real people, so that was difficult. And it was hard because I worried that writing about it will make me feel like that again and it didn’t. And when i wrote it, I wrote it very quickly, in like three or four weeks. And it was the best writing experience I’ve had. I was so glad and I wondered why I didn’t write it earlier. But it is having good responses from people who are reading it and I’m very excited about it. I’m a bit nervous about having to be at a lot of events, which will be like therapy. I know it sounds like a clichee, but I feel it is the book that I was meant to write and it’s nice to feel like that.

 

So that was the interview I did with him. Afterwards we just chatted about a lot of stuff and I was just very happy about this opportunity to meet him. I had so many more questions and things I wanted to talk about, but the time was limited. So thank you dtv for making this possible and Matt Haig for this interview and the little chat and I hope we will meet up again someday, to chat about depression, travel, writing and life. :)

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2 Kommentare

  • Antworten Resumée November - Tasmetu 26. Februar 2015 um 10:16

    […] absolutes Highlight diesen Monat war definitiv das Interview mit Matt Haig! Es kam unerwartet und war toll! […]

  • Antworten Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben | Rezension - Tasmetu 24. März 2016 um 7:19

    […] Anmerkung #2: Ich durfte Matt Haig 2014 interviewen. Hier geht es zum Interview. […]

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