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Was ist eigentlich Ethnologie?

10. Oktober 2014,4 Comments
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Man mag es kaum glauben aber vor anderthalb Jahren wusste ich das selbst nicht. Und jetzt studiere ich es bereits im dritten Semester. Ethnologie. Doch was heißt das eigentlich? Und wieso studiere ich so etwas?

Die Frage nach einer Definition des Faches ist, da sind sich wohl alle Ethnologen einig, schwierig. Eigentlich gibt es nämlich keine. Gäbe es eine, wäre der Sinn und der Reiz des Fachs verloren, wir würden uns Grenzen setzen die uns beim Forschen behindern. Deshalb ist meine persönliche Lieblingsumschreibung, die, die ich in meiner allerersten Vorlesung von meinem Dozenten hörte: „Wir studieren die Welt.“

Und es stimmt. Das was wir machen, kennt eigentlich keine Grenzen. Wir erforschen nicht nur Menschen, wir erforschen auch diesen schwammigen Begriff „Kultur“ (hat schon einmal jemand von euch versucht, Kultur einheitlich zu definieren? Es ist deutlich schwerer als es sich anhört – probiert es aus ;D) und alles was damit zusammen hängt. Was bedeutet: Es gibt nichts, was wir nicht erforschen. Wir müssen in so ziemlich jedem Fach Grundkenntnisse haben und sie anwenden können. Sei es nun Wirtschaft, Politik, Recht, Religion, Biologie, Medizin, Soziologie, Verwandtschaftsforschung, Geographie, Geschichte, Geschlechterforschung oder alles, was man irgendwie mit Menschen in Verbindung bringen kann. Und zwar nicht (nur) aus unserem eigenen Land, sondern weltweit.
Wir müssen genau beobachten, und zwar nicht nur aus einer Perspektive und versuchen unsere eigenen Vorstellungen, unsere eigene kulturelle Prägung, dafür hinter uns zu lassen, sollen sie aber auch nicht aufgeben. Wir müssen offen sein für alles und nicht nur das Abenteuer lieben, sondern auch den ganzen theoretischen und schriftlichen Rattenschwanz, den eine sogenannte „Feldforschung“ hinter sich herzieht. Wir müssen Menschenkenntnis beweisen, Gut und Böse neu definieren, Sprachen lernen, kommunizieren, erleben, leben.

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Warum studiere ich etwas so schwammiges, was mich wohl in keinen vernünftigen Beruf führen wird?

Weil es mir Spaß macht. Ganz einfach.
Meine ganze Schulzeit über war ich davon überzeugt, „irgendwas mit Medien“ machen zu wollen. Und die Medien reizen mich auch immernoch, aber während meines Praktikums bei einem großen deutschen Fernsehsender habe ich viel Negatives über mein Traumfach ‚Kommunikationswissenschaft‘ erfahren und gleichzeitig zum ersten Mal das Wort ‚Ethnologie‘ gehört.
Ich recherchierte und stellte fest: Das ist es.
Das ist es, was ich machen will. Ich will etwas über fremden Kulturen lernen, sie verstehen, sie erleben. Von der Kreuzcousinenheirat zu religiösen Konflikten, von Aberglaube und Medizin, von Matrilinearität und Kastensystemen und so vieles mehr.
Ich will keine Grenzen. Ich will nicht einmal die Aussicht auf einen festen Job. Ich will die Welt, mit all ihren Menschen und ihren Kulturen, verstehen. Ich will selbst daraus lernen und sie anderen näher bringen.

Lieber studiere ich etwas, was mich in ein berufliches Nirvana führt, mich aber wirklich interessiert, als unglücklich mit meiner Studienwahl zu sein. Denn ein Studium ist oft die Grundlage des spätere Lebens, oder zumindestens des beruflichen Werdegangs. Und ich will keinen Job machen, den ich nicht liebe. Und ihr solltet das auch nicht tun.

Traut euch. Träumt nicht nur, riskiert auch mal was. Wichtig ist am Ende nicht, was ihr studiert oder nicht studiert habt, sondern was ihr daraus macht. Und ob ihr glücklich damit seid.

Und ich bin glücklich mit meiner Entscheidung.

 

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4 Kommentare

  • Antworten Marie Menke 10. Oktober 2014 um 10:36

    Liebe Tasmin,

    so ein toller Post!

    Ich mache 2015 mein Abitur und auch auf meiner Liste der Wunschstudiengänge stehen eindeutig Ethnologie und Kommunikationswissenschaften. Kannst du dir mir verraten, was für dich gegen Kommunikationswissenschaften gesprochen hat?

    Die Formulierung „keine Grenzen“ macht mich auf jeden Fall neugierig – ich denke, das könnte es sein, was das Studium am besten beschreibt ;) Wirklich interessant geschrieben, danke dafür!

    Liebe Grüße,
    Marie

    • Antworten Tasmetu 11. Oktober 2014 um 0:05

      Hey Marie,

      ich habe viel Negatives gehört, dass es nichts Halbes und nichts Ganzes sein soll und außerdem hatte ich nach meinem Praktikum beim Fernsehen einfach Lust auf etwas anderes – hätte ich KW studiert, wäre mein gesamter Lebenslauf auf einen Medienberuf hinausgelaufen. Aber was wäre, wenn ich das eines Tages nicht mehr machen will? Oder vielleicht gar keinen Job kriege, weil derzeit so viele „irgendwas mit Medien“ studieren?
      Obwohl ich bei Ethno nicht weiß, wohin es mich führt, wollte ich einfach nur mehr Möglichkeiten haben und mich nicht auf den Medienweg einschießen… und wie man sieht, war es die richtige Entscheidung :)

      Du solltest allerdings dein Herz und dein Bauch entscheiden lassen: Bei welchem Fach schlägt dein Herz höher? Oft kann man auch beides zusammen studieren :)
      Weil nur weil Ethnologie an sich „keine Grenzen“ kennt, heißt das nicht, dass die Uni auch keine kennt. Das Studium selbst hat auch viel mit Theorien, trockenem Zeug, Fachlektüre und dem üblichen Unikram (Hausarbeiten, Zitierweisen, blabla) zu tun, es ist also nicht so „frei“ wie man sich das vielleicht vorstellt – aber ich würde es trotzdem wieder so machen :)

  • Antworten Mareike 10. Oktober 2014 um 11:23

    Genau so sollte es ein und so mache ich es auch!

    Wunderschöner Post und spannend ein wenig was über das Fach Ethnologie zu lesen. :)

    Liebe Grüße

  • Antworten MEIN STUDIUM | Ethnologie und Antike & Orient an der | Video - Tasmetu 22. Mai 2016 um 13:04

    […] ein bisschen was zu meinem Studium. Dazu habe ich ja bereits einmal einen Beitrag gepostet: „Was ist eigentlich Ethnologie?„. Das heute ist quasi eine ausführliche Ergänzung […]

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