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Gebete für die Vermissten | Rezension

15. September 2014,5 Comments
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Das Jahr, als José Rosa unser Lehrer war, blieb mir als eine Reihe von Ereignissen in Erinnerung.

Gebte für die Vermissten

Jennifer Clement

Übersetzt von: Nicolai von Schweder-Schreiner

Verlag: Suhrkamp Verlag

Seiten: 228 | Ausgabe: 2014

ISBN: 978-3-518-42452-0

Zu kaufen bei Amazon* oder im Buchladen nebenan :)

Die Autorin:

Jennifer Clement wuchs in Mexiko auf, zum Studieren ging sie jedoch nach New York und Paris. Mittlerweile lebt und arbeitet sie wieder in Mexiko, wo sie von 2009 bis 2012 auch Präsidentin der PEN Mexiko war und generell sehr engagiert ist. Für ihr Buch hat sie sehr lange Nachforschungen angestellt und mit vielen Frauen gesprochen. Das Buch wurde mit dem National Endowment of the Arts (NEA) Fellowship for Literature ausgezeichnet und bekam den Sara Curry Humanitarian Award.

Die Story:

Ladydi wächst im mexikanischen Guerrero auf, auf einem kleinen Berg in der Nähe von Acapluco. Frauenentführungen, Drogenhandel und Angst vor abgeworfenen Pestiziden gehören hier zum Alltag. Es ist ein Ort der Frauen, die Männer sind alle in die Städte oder in die USA gegangen und nie zurückgekehrt. Der einzige Junge, der noch da ist, ist Mike, ein Drogendealer, der Ladydi bald in große Schwierigkeiten bringt.

Meine Meinung:

Liest man bereits veröffentlichte Rezensionen zu diesem Buch, wird man von einer Welle der Begeisterung überrollt, man übertrifft sich gegenseitig mit Lob. Diesem Lob kann ich leider nicht zustimmen. Ich habe mir sehr viel von dem Buch erhofft, da die Thematik einfach interssant klang. Aber ich wurde ehrlich gesagt enttäuscht. Wenn man schon ein (auf realen Ereignissen basierendes) Einzelschicksal aus dieser Gegend beschreibt, sollte man sich auch mit der Protagonistin, Ladydi, verbunden fühlen und sich in sie hinein versetzen können. Ihre Geschichte und ihr Schicksal blieben mir jedoch so fern wie Mexiko geographisch von Deutschland entfernt ist. Ich hatte das Gefühl, keine einzige richtige Emotion in diesem Buch wahrzunehmen. Außerdem schwankte die Mutter immer zwischen liebevoll und absolut grausam. Aber das schien etwas zu sein, was Ladydi nicht bewegte, zumindestens kommt es nicht so rüber. Auch wird kein Wort über Liebeskummer verloren und generell wird die „Liebe“ relativ… emotionslos gehalten. Dabei schreibt sie in der „Ich-Form“ hätte also alle Möglichkeiten, Gedanken einfließen zu lassen. Vielleicht ist das aber auch eine Folge davon, dass kein einziges Mal wörtliche Rede benutzt wird, aber naja… ich konnte auf jeden Fall keine Verbindung zu Ladydi aufbauen und fand das sehr schade. Ich habe immer auf die Emotionen gewartet, ich habe immer darauf gewartet, endlich in ihr Schicksal einzutauchen, es zu erleben und so besser zu verstehen. Denn ich wollte ihr Schicksal verstehen, ich wollte ein Bild dafür kriegen wie dieses eine Leben in Guerrero aussieht, ich habe einfach ein tolles, bewegendes Buch erwartet. Stattdessen war es leider sehr trocken und – wie bereits gesagt – ziemlich emotionslos.
Die angesprochenen Thematiken (Armut, Mädchenentführung, Drogenhandel, Aids, etc) sind nach wie vor wichtig, aber ich finde sie hier einfach nicht gut umgesetzt.

Ein mittelmäßiges Buch über wichtige Themen

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PS: Ich habe das Buch vorab als Rezensionsexemplar vom Suhrkamp Verlag erhalten, vielen vielen Dank! :)

Nächstes Buch: Herzenhören – Jan-Philipp Sendker

2 Stars

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5 Kommentare

  • Antworten Zwölf Wasser (2) [Rezension] | Tasmetu 15. September 2014 um 11:28

    […] Nächstes Buch: Gebete für die Vermissten – Jennifer Clement […]

  • Antworten Marie 16. September 2014 um 14:18

    Liebe Tasmin,

    wenn so wichtige Themen schlecht umgesetzt werden, finde ich es umso schader – und doch sind und bleiben sie wichtig.

    Richtig schöne Rezension! :)

    Liebe Grüße,
    Marie

    • Antworten travellertatzi 16. September 2014 um 16:21

      Ja, genauso sehe ich das auch :)
      Danke :)

  • Antworten Lianna 29. Oktober 2014 um 21:45

    Liebe Tasmin,
    deine Beobachtungen hinsichtlich der Widersprüchlichkeit der Mutter und der relativ „flachen“ Emotionen stimmen mit meinen Eindrücken überein. Ich habe mich allerdings beim Lesen des Buchs in die Welt des Mädchens bzw. der jungen Frau, die in Ich-Form erzählt, trotzdem sehr gut hinein versetzen können : die allgegenwärtige Angst und die Schicksalschläge, denen die Frauen ausgesetzt sind, ihr Versuch sich zu schützen und der alltägliche Horror sind aus meiner Sicht gut dargestellt, ohne auf die Tränendrüse zu drücken. Insgesamt finde ich Jennifer Clements Art der Annäherung an dieses sehr schwierige Thema gelungen. Liebe Grüße, Lianna

  • Antworten Zwölf Wasser | Rezension - Tasmetu 26. Februar 2016 um 15:32

    […] Nächstes Buch: Gebete für die Vermissten – Jennifer Clement […]

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